Kultur : DIE PRESSEKONFERENZ

Hurra, die Meute ist wieder da. Die Journalisten im

Hyatt gehören zur Berlinale wie die Tasche und das Plakat. Same procedure as every year: Medienmenschen aus aller Welt stellen seltsame Fragen, und das Podium macht sich darauf irgendwie einen Reim. Hat Tom Tykwer seinen Hauptdarsteller Clive Owen

ausgesucht, weil er ihm gleicht? „Aber ja, Ben

Wishaw aus ,Das Parfum’ glich mir auch“, kontert

Tykwer und fügt hinzu, dass sie sich am Ende des Drehs alle ein wenig ähnlicher

sahen. Das sei wie bei Paaren, wenn sich Männlein und Weiblein ... Tykwer fegt die misslungene Pointe verlegen vom Tisch, und es ist schön zuzusehen, wie er sich seiner eigenen Anspannung entgegenstemmt.

Owen und Tykwer: das gleiche Profil, die gleiche Stirn, die gleichen Wangen furchen, beide im dunklen

Anzug. Bloß sitzt Owen mit Krawatte da und Tykwer mit offenem Hemd, das Haar eine Spur wuscheliger. Owen ist gewissermaßen die gebügelte Variante seines Regisseurs. Bereitwillig berichtet er vom Dreh auf den Dächern von Istanbuls Großem Basar, während Tykwer ebenso bereitwillig in jeder gewünschten Sprache zu antworten verspricht (die deutschen Kollegen, peinlich genug, wollen’s unbedingt deutsch) – was die Iraner und die Chinesen im Saal doch sehr amüsiert. Der Däne Ulrich Thomsen, der in „The International“den Bösewicht spielt, trägt Norwegerpulli und gefurchte Stirn, Armin Mueller-Stahl lässt den Schalk in den Augenwinkeln blitzen und gibt eine Jack -Lemmon-Anekdote zum Besten. Beim Dreh von „Die zwölf Geschworenen“ habe der sich gefreut, dass er im Film all das dürfe, wofür er im wirklichen Leben in der Klapsmühle lande: betrunken sein, Möbel zertrümmern, die Frau schlagen. Ob es Mueller-Stahl nicht genauso gehe? „Mir ist das Leben lieber. Vor der Kamera wurde ich zu oft erschossen.“ chp

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