Kultur : Die rechte und die linke Hälfte

Kulturfrühstück der FDP mit Guido Westerwelle

Patrick Wildermann

Die Freiheit der Kunst ist schützenswert. Auch die Freie Demokratische Partei sieht das so; sie hat es in ihr Wahlprogramm geschrieben. Das mag zwar, wie man in Wirtschaftskreisen sagt, nicht gerade das Alleinstellungsmerkmal der FDP sein. Aber es ist zumindest der sinnstiftende Gedanke hinter dem parteitraditionsreichen „Kulturfrühstück“, zu dem die Liberalen jetzt erstmals auch in Berlin einluden, ins Tipi-Zelt am Kanzleramt. FDP-Politiker und Hauptstadt-Kulturschaffende, unter ihnen der neue Intendant des Maxim-Gorki-Theaters, Armin Petras, waren gebeten, sich in morgendlich-milder Kaffeehausstimmung zur Innovationskraft der Kunst oder auch zu Themen ihrer Wahl zu äußern. Konsens aller Beteiligten: Kultur ist wichtig.

Gesprächsrunden wie diese führen ja meist nur auf prominentem Podium die Wesensfremdheit zwischen Politikern und Künstlern vor, aber umso mehr freut man sich, wenn es doch einmal etwas Überraschendes zu hören gibt. Wie von Hans-Joachim Otto. Der Vorsitzende des FDP-Bundestagsausschusses für Kultur und Medien referierte nicht nur, dass die Kulturwirtschaft in Deutschland mehr Arbeitsplätze schaffe als die Automobil-Industrie – Vorfahrt für die Oper also! Sondern er erläuterte auch, dass die musikalische Früherziehung bei Kindern bewirkt, dass die rechte und die linke Gehirnhälfte besser zusammenarbeiten. Das wusste nach eigenem Bekunden selbst Parteichef und Kunstsammler Guido Westerwelle noch nicht, er griff es aber in seinem flammenden Plädoyer für die Populärkultur am Beispiel der drei Tenöre auf Fußballstadien-Tournee gerne auf. Kunst für alle, Kultur als Staatsziel, so in etwa lautete sein Credo.

Bundespolitik und Kommunalwahlkampf sollten allerdings außen vor bleiben, zumindest hatten die Liberalen sich das vorgenommen und als Moderatorin Georgia Tornow engagiert, damit sie den Zuschauern ein paar Berliner Kunstproduzenten näher bringt. Wie eben Armin Petras, der beantworten sollte: „Haben Sie eine Botschaft? Oder ist das uncool?“ Nein, erwiderte Petras, das Theater sei ein Ermutigungsunternehmen und habe keine Botschaft. Es betreibe Psychotherapie und Zukunftsforschung. Über die Zukunft denkt auch der Galerist Michael Schultz gerne nach, der über den Kunstmarkt sinnierte und darüber, dass seine 13-jährige Tochter ihm im Moment die spannendsten Fragen überhaupt stelle.

Man kann nicht behaupten, dass über Kulturpolitik diskutiert wurde. Ein jeder sprach über sein eigenes Metier, Andreas Rocholl über seine „Zeitgenössische Oper“, Bernd M. Scherer über sein Haus der Kulturen der Welt, Hans-Joachim Otto über die Pisa-Studie. Obwohl die Moderatorin sich redlich um Brisanz bemühte und sogar das Grass-Thema auf Tapet brachte.

0 Kommentare

Neuester Kommentar