Kultur : Die Reifeprüfung Hongkong im Panorama

Christina Tilmann

Zwei Menschen auf einer langen Zugfahrt: Er, der Lehrer, beobachtet seine Schülerin still und zurückhaltend. Da ist nicht viel mehr als lange Blicke und ein verlegenes Schweigen auf jede Frage. Die Schülerin, leidenschaftlich fordernd, erzählt, wie sie sich in ihn verliebt hat. Und fügt hinzu: "Wenn ich einmal Filmregisseurin bin, werde ich diese Szene verfilmen. Und ich werde Regisseurin. Ich bekomme alles, was ich will."

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So könnte es angefangen haben auch mit Ann Hui, der hongkong-chinesischen Regisseurin, die spätestens mit "Sommerschnee" auch in Europa berühmt geworden ist. Gleichgültig, ob "July Rhapsody" autobiographisch begründet ist: Die zarte Spannung zwischen Lehrer und Schüler, den Umschlag von pädagogischem Interesse in Liebe hat wohl jeder einmal erlebt. Selten aber ist sie so konsequent und selbstverständlich erzählt worden wie in "Nan ren si shi".

Es ist ein doppelter Weg in die Vergangenheit, den der Lehrer Lam in einem kurzen Sommer erlebt. Während er, dessen Leben als Vater erwachsener Söhne längst in ruhigen Bahnen läuft, durch die Avancen einer Schülerin verwirrt wird, geht sein Blick zurück zu den Anfängen seiner Ehe: Auch die begann einst in der Schule, mit einer Liebe zwischen Lehrer und Schülerin. Was damals offenblieb zwischen ihm und seiner Frau, wird erst am Ende dieses Sommers ausgesprochen - auf einer Reise an den gemächlich dahinfließenden Jang Tse. Ja, Lams Leben ist ein langer ruhiger Fluss. Aber unter der Oberfläche lauern gefährliche Stromschnellen.

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