Kultur : Die rote Hand

Werkschau: der Grafiker Michael Engelmann

Jens Hinrichsen

Schwarz. Auf seinen Plakaten und Anzeigen regiert Druckerschwärze. Wie kaum einer spielte der Grafiker Michael Engelmann (1928-1966) mit der Eleganz dunkler Formen. Er liebte das Scherenschnitthafte. Gesichter reduzierte er mit Vorliebe auf einen Schattenriss. Oder er ließ sie in die Schwärze des Hintergrunds abtauchen. Dort lächelten sie ein verhaltenes Reklamelächeln – manchmal.

Michael Engelmann war ein Asket der Werbung. Als der Grafiker sich 1966, mit 37 Jahren, das Leben nahm, hatte er der internationalen Werbe-Branche mit Kampagnen für Uhu, Bols und vor allem Roth-Händle längst seinen Stempel aufgedrückt. 2001 konnte die Kunstbibliothek seinen Nachlass erwerben. Die jetzt präsentierte Werkschau mit Plakaten, Fotostudien, Entwürfen und Inseratdrucken wird um Plakate aus dem Museum für Gestaltung Zürich ergänzt.

Geboren wurde Michael Engelmann in Prag. Als Sohn eines jüdischen Chemikers und Kunstseidefabrikanten musste er 1941 mit dem Vater in die USA emigrieren. Am Ende des Jahrzehnts fasste er im Grafik-Gewerbe Fuß und reüssierte schon in den frühen Fünfzigerjahren mit Entwürfen für Volkswagen, Persil oder Pirelli. Ein Plakat für den Reifenhersteller zeigt 1952 kaum mehr als vier schwarze Reifenspuren, die sich kreuzen, als wäre das Pneu-Produkt mehrmals über das weiße Papier gerollt. Allerdings musste dieser Purismus noch Jahre nach 1945 mit der amerikanischen Vorkriegsästhetik konkurrieren. Im Westen waren knallige Wohlstands-Inszenierungen gefragt, dralle Mannequins und elegante Dressmen. Statt Ganzfiguren agieren zu lassen, beschränkte sich Engelmann auf Körperteile – „Werbung mit Hand und Fuß“, wie es heißt.

Seine berühmtesten Hände halten Zigaretten der Marke Roth-Händle. 1955 begann die Liaison des Grafikers mit der Marke – Attribut: „naturrein“. Auf dem ersten Plakat raucht der Künstler selbst. Engelmanns Gastauftritt in Gestalt einer bulligen Silhouette mit Zigarette erinnert an seine Anfänge als Schauspielstudent. In unzähligen Bewegungs-Variationen spielt, tanzt, jongliert die Hand mit Packung und Zigarette – vor tiefschwarzem Hintergrund.

Bis 24. Oktober, Kunstbibliothek (Matthäikirchplatz 6), Di–Fr 10–18 Uhr, Sa/So 11–18 Uhr. Katalog: 19 Euro.

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