Die Sache mit den Fußballbüchern zur WM : Dranbleiben ist alles

Lukas Podolski hat seine Biografie geschrieben, Zlatan Ibrahimovic auch, und Axel Hacke hat es mit seinen "Fußballgefühlen" in die Bestsellerliste geschafft: Zur WM gibt es wieder massenhaft Fußballbücher. Warum Fußball und Literatur aber einfach nicht zusammen passen.

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Pünktlich zur WM ist auch endlich wieder Fußballbuch-Zeit.
Pünktlich zur WM ist auch endlich wieder Fußballbuch-Zeit.Foto: dpa

Wenn es heute Abend endlich losgeht mit der Eröffnung der Fußballweltmeisterschaft und dem Spiel Brasilien gegen Kroatien, dann dürften auch Verlagsmanager ihre Erwartungen haben. Klar, das „Kicker“-Sonderheft“, die Sonderseiten der Tageszeitungen mitsamt dem obligaten Spielplan, das versteht sich, all das liegt auf dem Sofa oder dem Fernsehtisch. Aber wenigstens ein vernünftiges aktuelles Fußballbuch muss doch eigentlich in jedem Durchschnittsfernsehfußballhaushalt stehen! Schließlich haben die Verlage, nicht zuletzt die ansonsten vor allem für Literatur zuständigen, wieder schön auf die WM hingearbeitet, so wie alle vier, wenn nicht gar zwei Jahre (EM!). So gibt es jetzt also wieder massenweise Fußballbücher, die „Das beste Spiel aller Zeiten“ oder „Das Spiel mit Schwarz-Rot-Gold“ oder „Brazil 2014“ oder „Ich bin Zlatan“ heißen und die dann in 120 Kapiteln kurze Fußballanekdötchen zum Besten geben oder vom Fußball und dem Flaggenfieber handeln oder von Brasilien erzählen oder von dem vermeintlich glamourösen Leben des Fußballers Zlatan Ibrahimovic.

Komisch ist nur, dass sich mit solchen Büchern kaum Geld verdienen lässt – ganz Deutschland schaut Fußball, liest seit Tagen das Neueste über Löw, Lahm, und Co. in den zuständigen und auch nicht so zuständigen Medien, hält sich aber mit dem Kauf oder gar der Lektüre von Fußballbüchern zurück. Axel Hacke hat es dieser Tage mit seinem Buch „Fußballgefühle“ immerhin in die Top 20 geschafft, und das, nachdem sein Buch schon im März veröffentlicht worden und auch in die hinteren Ränge der Bestsellerlisten eingestiegen war. Ein Effekt des nahen WM-Starts also, das kann man sagen. Aber Hacke ist auch sonst immer in den Charts, da spielt es keine Rolle, ob er von seinem Kühlschrank, seinem Familienleben oder eben seinen Fußballgefühlen erzählt. Ansonsten aber: Fehlanzeige. Lukas Podolskis Autobiografie „Dranbleiben“ steht auf Platz 34 der „Spiegel“-Bestsellerliste, Zlatan Ibrahimovic war zuletzt auf 44, und das wäre vermutlich auch ohne die WM so gewesen.

Fußball und Literatur, oder zumindest: Fußball in Buchform, das passt einfach nicht. Ein Spiel kann man, nein: muss man inzwischen lesen können. Aber über das Spiel etwas zu lesen und sei es als vergleichende Gesellschaftswissenschaft (der Willy-Brandt-Fußball der siebziger, der Kohl-Fußball der späten neunziger Jahre), ist nur mäßig attraktiv. Ein Spiel dauert bekanntlich neunzig Minuten – das Epos, das ein Spiel sein kann, dauert genauso lange, und die Erinnerung daran entzieht sich sowieso jeder Erzählbarkeit.

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