Kultur : Die Schachtel lebt

ANDREA JULIETTE GROTE

Hermetisch und zunächst abweisend wirken die weiß, schwarz oder grau lackierten Objekte, die der Künstler Dittmar Krüger aus MDF-Platten konstruiert.Als Einzelobjekt, als Paar oder in Viererkombination hängen sie in Augenhöhe nebeneinander an der Wand.Nur die dem Betrachter zugewandte Seite ist durch ein milchiges Acrylglas einschaubar.Erst beim genauen Hinsehen erkennt man das geheimnisvolle Innenleben der oft nur schuhschachtelgroßen Objekte.Der Künstler, der an der Berliner Hochschule der Künste bei Johannes Geccelli studierte, weiß um die subtile Wirkung von Farben.Die Innenseiten der "Schachteln" hat er mit verschiedenen Materialien wie Federn oder Stein gefüllt, meist aber mit satten Farben wie Kobaltblau, Giftgrün oder Gelb angestrichen.Abhängig von der im Ausstellungsraum befindlichen Beleuchtung entsteht im Inneren der Kästen ein Farbraum, der in seiner Größe nicht mehr zu bestimmen ist und seine klare Räumlichkeit verliert.Im Gegensatz zu den steril wirkenden Außenflächen der Objekte beginnt die Farbe zu leben, zu strahlen, so daß der Betrachter versucht, hinter die Scheiben zu schauen, als ob er dort ein Geheimnis entdecken könnte.

Die Arbeiten des 1958 in Stockholm geborenen Künstlers lassen an Skulpturen Donald Judds denken.Auch bei ihm wird die Verbindung von Außen- und Innenraum, Materialität und Oberflächenbeschaffenheit der Objekte zum Thema seiner Kunst.Wie Judd wählt auch Krüger Industriematerialien der Massenproduktion: Aluminium, lackiertes Holz, Acrylglas, Messing, Metalleisten und Stahlschrauben.Durch Verwendung standardisierter Arbeitsmaterialien, die in jedem Heimwerkermarkt zu bekommen sind, schafft Krüger Objekte, die Bekanntes mit Unbekanntem verbinden.Sein Interesse für technische Geräte erklärt die Perfektion seiner Werke, die sich - obwohl handgemacht - Industrieapparaten annähern.

Die Plazierung der Objekte ist immer auf den Ausstellungsraum bezogen.Krüger hat im Mies-van-der-Rohe-Haus einen Präsentationsort gefunden, der seinen Arbeiten entgegegenkommt: Klare, strenge Linien bestimmen die Architektur des Hauses, das Mies van der Rohe kurz vor seiner Emigration 1932 für den Verleger Lemke baute.Die Frage nach der Beziehung von Innen und Außen geht hier also über die Objekte hinaus - in der Architektur selbst spiegelt sich diese Auseinandersetzung wider.

Mies-van-der-Rohe-Haus, Oberseestraße 60, bis 7.März; Dienstag bis Donnerstag 13-18 Uhr, Sonnabend, Sonntag 14-18 Uhr.

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