Kultur : Die schöne Gefahr

Die Galerie CFA zeigt längst verkaufte Bilder von Peter Doig

Christiane Meixner
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Gemeinsam einsam. „Okahumee (Some other Peoples Blues)“ von Peter Doig, 1990. Foto: Courtesy Contemporary Fine Arts, Berlin

Schwer ruhen die Kataloge zum Werk von Peter Doig auf dem Tisch. Dabei braucht es keinen Beweis mehr dafür, wie arriviert der Maler ist. Seit jenem Februar vor zwei Jahren kennt die Kunstbranche den Wert einer frühen Doig-Leinwand: Ein anonymer Bieter ersteigerte bei Sotheby''s in London „White Canoe“ von 1991 für sagenhafte elf Millionen Dollar und machte Doig für kurze Zeit zum teuersten lebenden Künstler.

Weit interessanter für die Genese des Künstlers, der mit seinen schillernden Leinwänden voller erzählerischer Dinge in die angestrengt theoretischen neunziger Jahre platzte, ist ein schmales, rotes Heft. Auflage: 200, ein kleines Druckwerk, das Nicole Hackert und Bruno Brunett von Contemporary Fine Art (CFA) ebenfalls Mitte der Neunziger an ihre Sammler verschickten. Pünktlich zur ersten Ausstellung von Peter Doig in den Räumen der Berliner Galerie, die damals noch in Charlottenburg saß. Die Resonanz? „Es gab keine“, erzählt Nicole Hackert. Malerei war nicht gefragt, und schon gar kein einsamen Kanus auf giftgrünen Teichen, die wie eine späte Reminiszenz an die Malerei der Romantik wirkte. Zwei Bilder fanden dennoch ihren Interessenten: Der unheimliche Dampfer hinter roten Schlingpflanzen aus dem Gemälde „Okahumee (Some other Peoples Blues)“ schipperte zusammen mit „Birdhouse“, einem winterweißen Baum mit Vogelhäuschen, Richtung Kunsthalle zu Kiel.

Beide Bilder sind für ein paar Wochen nach Berlin zurückgekehrt. Nicht als Leihgaben für ein Museum, wie man nach den jüngsten großen Schau in der Londoner Tate Britain oder der Frankfurter Schirn mutmaßen könnte. Stattdessen hängen sie noch einmal bei CFA, die Teile der gerade beendeten Retrospektive zu sich geholt haben und so eine Lücke schließen: Doigs schöne, wichtige Ausstellung hätte man nach gut zehnjähriger Berliner Abstinenz gern auch hier in einer Institution gesehen. Zumal CFA mit ihrer frühen Entscheidung für den Maler von der Spree aus echte Pionierarbeit geleistet hat.

Der Punkt geht also an die Galerie, deren Schau mit Werken aus deutschen Museen und internationalen Privatsammlungen den entspannten Titel „Not for sale“ trägt. Doig, der vor knapp sieben Jahren mit Frau und Kindern nach Trinidad gezogen ist und darüber hinaus seit 2005 als Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie lehrt, arbeitet langsam. Neue Bilder sind rar. Das mag auch erklären, weshalb den Filmplakaten des 1959 in Edingburgh Geborenen ein ganzes Geschoss gewidmet ist. Obwohl die von Hand gemalten 140 Poster für seinen „Studiofilmclub“ auf Trinidad, der einmal wöchentlich Kino nach Doigs Geschmack für alle bringt, nie den Anspruch seiner Gemälde erreichen. Viel mehr bringt Doig hier skizzenhaft filmische Elemente aufs Papier. Dennoch gehört beides zusammen: der Künstler als Vermittler anspruchsvollen Kinos, das vom „Black British Cinema“ bis zu Klassikern von Wim Wenders reicht. Und Doig als Maler seltsam unbelebter Figuren und Landschaften, die stets montiert wirken und eine unheimlichen Subtext haben, der sich selten fehlerfrei lesen lässt.

Das Böse lauert in Wald oder Sümpfen, und selbst die schattig abstrakten Gestalten aus jüngeren Bildern wie „Man Dressed as Bat“ von 2008 bergen ein dunkles Geheimnis. Oder sind das bloß die Erwartungen, die man an Settings mit solch hübsch düsteren Kulissen hat? Doig ist keinesfalls jener verspätete Romantiker, den man anfangs gern hinter seiner Malerei vermutete. Eher ein Cinephiler, der alles über die Wirkung filmischer Mittel, von thrill and suspense weiß und sie jederzeit in seinen Bildern heraufbeschwören kann.

„Die Leute haben irrtümlich geglaubt, dass es in meinen Bildern nur um meine eigenen Erinnerungen geht“, hat Doig in einem Interview erklärt. Dabei sind es die medialen Erfahrungen aller, die visuellen Effekte von Kino und Fotografie, die sich auf seinen Bildern in Malerei verwandeln. Und vielleicht macht genau das die vertrauten Eindrücke so fremd: weil ihre Transformation keine Rätsel löst, sondern bloß ein weiteres aufgibt.

Contemporary Fine Arts, Am Kupfergraben 10; bis 28. Februar, Di-Fr 11-18 Uhr, Sa 11-16 Uhr.

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