"Die Schöne und das Biest" im Kino : Die mit dem Werwolf tanzt

Knallige Farben, fülliger Set, fetter Score: Christophe Gans geht in seiner Neuverfilmung von "Die Schöne und das Biest" mit Léa Seydoux und Vincent Cassel aufs Ganze.

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Léa Seydoux als Belle in "Die Schöne und das Biest".
Léa Seydoux als Belle in "Die Schöne und das Biest".Foto: Concorde

Ein unverwüstlicher Stoff, diese „Schöne und das Biest“: Erstmals wurde das französische Volksmärchen im 18. Jahrhundert von zwei adligen Autorinnen in zwei leicht verschiedenen Versionen aufgeschrieben, und seither lebt die Geschichte in unzähligen Adaptionen fort. Ein bisschen sogar in der Realität. Haben die Franzosen nicht seit jeher eine Schwäche für mächtige Männer, die – mit welchen Mitteln auch immer – schöne junge Frauen in ihren Besitz bringen? Paare wie Sarkozy-Bruni, Hollande-Gayet oder Depardieu-Igou lassen durchaus an diesen Mythos denken. Und, universeller noch, steckt nicht in jedem noch so furchterregend hässlichen Froschkönig, tumben King Kong oder haarigen Werwolf die Sehnsucht, von einer hellsichtigen, bescheidenen Schönen als Prinz erkannt und geliebt zu werden?
Die allerneueste Adaption des Stoffs, inszeniert von dem Franzosen Christophe Gans, lässt von Anfang an keinerlei Zweifel daran, dass das löwenähnliche, aufrecht gehende, elegant gekleidete Biest Vincent Cassel höchstselbst ist. Auch außerhalb Frankreichs wird er allenthalben als sexy beast gehandelt – und hat in dieser Eigenschaft soeben in einem von „Noah“-Regisseur Darren Aronofsky inszenierten Werbespot für ein Herrenparfüm vor der Kamera gestanden. Folglich verfällt auch die von Léa Seydoux gespielte, unschuldige Belle schnell dem Reiz des edlen Monsters. Allerdings bedarf es beträchtlichen Aufwands, bis die Schöne am Ende das Biest von Fell, Reißzähnen und Schwanz erlöst hat. Undurchdringliche Wälder wachsen aus dem Boden, Rosenzweige umranken ein verwunschenes Schloss bis zur Unkenntlichkeit. Zwei Godzilla-ähnliche Waldgeister legen einer Räuberbande das Handwerk, eine Horde quiekender, glubschäugiger Mini-Hush-Puppies wird in eine veritable Jagdhundmeute zurückverwandelt. Dass Belles habgierige, nichtsnutzige Geschwister überleben dürfen, enttäuscht ein bisschen, aber die Schöne hat eben auch ein großes Herz.

„Die Schöne und das Biest“, in Babelsberg gedreht, ist eine deutsch-französische Koproduktion, in der vor allem die ewig unterschätzte Yvonne Catterfeld als ätherische Waldnymphe und Ex des Prinzen glänzt. Wieder einmal wünscht man ihr Rollen, in denen sie zeigen kann, was offenkundig in ihr steckt. Regisseur Christophe Gans („Der Pakt der Wölfe“, 2001) seinerseits erklärte im Interview seine Angst vor dem Vergleich mit Jean Cocteau, dessen Verfilmung von 1946 als Meisterwerk der Filmästhetik gilt, und dass er deshalb etwas ganz anderes machen wollte. Das ist ihm gelungen – wo Cocteau mit Licht und Schatten, Schwarz und Weiß eine zauberische Leichtigkeit erschuf, klotzt Gans mit starken Farben, ins Groteske verzerrten Figuren, überdesignten Sets und einem brausenden, orchestralen Score, der jede Subtilität im Keim erstickt.

Der Film läuft in 14 Berliner Kinos.

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