Kultur : Die Seiten gewechselt

ULRICH CLEWING

Wenn Kinder zuhause Fußball spielen, dann kommt es durchaus vor, daß das Inventar Schaden nimmt.Das war bei Springers daheim in Zehlendorf nicht anders, sieht man einmal von geringfügigen Abweichungen ab."Da fiel schon mal ein Bild von der Wand", erinnert sich Robert Springer schmunzelnd an seine ersten familiär bedingten Kontakte mit der Kunst.

Ein Sohn, der beruflich seinem Alten Herrn nachschlägt, geht den geraden Weg, denkt man.Und doch sah es in diesem speziellen Fall lange Zeit so aus, als würde Robert Springer alles mögliche tun, nur nicht wie sein Vater Rudolf Galerist und Kunsthändler werden, geschweige denn das väterliche Geschäft übernehmen.Zwar absolvierte der heute 41jährige auf elterliche Anregung nach der Schule ein Volontariat bei einem ehemaligen Mitarbeiter von Rudolf Springer, bei Michael Werner in Köln.Aber seine Leidenschaft galt damals der Musik.Nach leidlich erfolgreichen Versuchen am Schlagzeug der eigenen Band wechselte er die Seiten, ließ sich zum Industrie-Kaufmann ausbilden.Jahre später erlernte er einen zweiten Beruf, und noch immer zeichnete sich nicht ab, daß Robert Springer einmal im Metier des Vaters reüssieren würde.Immerhin näherte er sich an, machte eine Lehre bei Jochen Littkemann und wurde Fotograf.

Mit Littkemann zog er durch die Museen, Kunsthandlungen und Ateliers."Wir sind immer durch den Hintereingang rein und haben dort Situationen erlebt, die ein normaler Galeriebesucher nie mitkriegt." Einmal waren die beiden in London im Depot der Tate-Gallery, um Schiefertafeln von Joseph Beuys zu fotografieren.Der pragmatische, im wahrsten Sinne des Wortes bodenständige Kontakt mit den wertvollen Stücken, "das war eine ganz besondere Erfahrung", sagt Springer.

So kam Robert Springer über Umwege doch zum Galeriewesen zurück.Und plötzlich ging es Schlag auf Schlag.Als der bekannte Kunsthändler Hans Neuendorf 1987 seine Hamburger Galerie auflöste und das Geschäft nach Frankfurt am Main verlegte, heuerte Springer bei ihm an, organisierte den Umzug und schmiß vier Jahre lang den Laden.Irgendwann hatte er genug von der Arbeit für andere und dachte sich, "das kann ich auch alleine".Zum ersten Mal spielte er mit dem Gedanken, wieder nach Berlin umzusiedeln und die väterliche Galerie zu führen, zumal Rudolf Springer, 1990 war das, nach über vierzig Jahren Galeristentätigkeit gewisse Anzeichen von Amtsmüdigkeit zu erkennen gegeben hatte.

Was dann folgte, war ein mittlerer Schiffbruch.Mit jugendlichem Tatendrang fielen Robert Springer und sein Kompagnon Gerald Winckler in die Galerie des Vaters ein, begannen, das über Jahrzehnte gewachsene Gesamtkunstwerk komplett umzukrempeln.Bis sie merkten, daß sie beim Großreinemachen den Alten ein wenig aus den Augen verloren hatten.Auf den Familienkrach brauchte man nicht lange zu warten, und das Gewitter, das sich über den beiden Jungunternehmern entlud, schien keine Alternative zuzulassen als den endgültigen geschäftlichen Bruch zwischen Vater und Sohn.

Doch der Knatsch hatte auch seine positive Seite.Denn nun waren Springer und sein "Buddelkastenfreund" Winckler unwiderruflich auf sich allein gestellt.Daß es ihnen gelang, mit der Galerie, die sie 1991 in Frankfurt gründeten, ohne nennenswerte Unterstützung aus Berlin zu bestehen, können die zwei auf der Habenseite verbuchen.Und als dann das Thema letzten Sommer erneut zur Diskussion stand, da waren sich Vater und Sohn mit einem Mal "auf eine distanzierte Art sehr nah".

Nicht zuletzt diese Nähe auf Distanz wird es gewesen sein, die den Ausschlag gab, daß Springer und Winckler letztlich doch wieder in die Fasanenstraße 13 zurückgekehrt sind.Freilich haben die alte und die neue Galerie außer den Räumlichkeiten nicht viel miteinander zu tun.Einige wenige Künstler, wie etwa Dieter Appelt, signalisieren Kontinuität.Im Großen und Ganzen jedoch handelt es sich um "zwei verschiedene Firmen", auf diese Feststellung legt Robert Springer Wert.Das Programm, das die beiden in Berlin zeigen werden, entspricht dem der Frankfurter Galerie."Die laute Provokation ist nicht unbedingt unsere Sache", sagt Springer.Am liebsten ist ihm Kunst, die "einen Bezug zur Natur hat, in den Farben, Kräften, Materialien", ihm mithin die Möglichkeit gibt, sich "auf mich zurückzuziehen".

Insofern haben Springer und Winckler für ihre erste Berliner Ausstellung (Eröffnung: 25.September) einen kongenialen Künstler ausgesucht.Der Schotte Andy Goldsworthy, profilierter Vertreter der Land Art, wird zur Premiere in der Fasanenstraße eine seiner filigranen "Raumzeichnungen" erstellen.Springer: "Der Gedanke der Vergänglichkeit, der dahinter steht, fasziniert mich."

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