Die Singakademie ehrt Georg Katzer : Aufschrei im Glissando

„Medea in Korinth“: Die Berliner Singakademie ehrt Georg Katzer zu seinem 80. Geburtstag.

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Georg Katzer.
Georg Katzer.Foto: Angelika Katzer

Ein „tagespolitischer“ Komponist sei er nie gewesen, äußert Georg Katzer im Gespräch mit dem früheren Konzerthaus-Intendanten Frank Schneider, das dem Konzert der Berliner Singakademie zu seinem 80. Geburtstag vorausgeht. Politisches im Sinne „öffentlicher Angelegenheiten“ jedoch findet sich immer wieder vor allem im musiktheatralischen Werk des ehemaligen Meisterschülers Hanns Eislers, der sich schon zu DDR-Zeiten durch gewitzte, Zensurmaßnahmen unterlaufende inhaltlich-musikalische Konzepte auszeichnete.

„Medea in Korinth“, 2000 im Auftrag der Singakademie als „oratorische Szenen“ auf ein Libretto von Christa und Gerhard Wolf entstanden, erlangt heute überraschende Aktualität: Medea ist hier nicht die eifersüchtige Kindsmörderin, sondern die in eine fremde Kultur Geflüchtete, die durch ihre Andersartigkeit Argwohn erregt. Ihr kompromissloses Bestehen auf Menschlichkeit stört die Ordnung, macht sie verdächtig. Katzer passt seine Erfindungskraft den Fähigkeiten des Laienchors – verstärkt durch die von Ekkehard Klemm instruierte Singakademie Dresden – an und fordert ihn zugleich durch rhythmisierten Sprechgesang in verschiedensten Klangabstufungen, durch Zischen, Brummen und manchmal fast clusterartige Glissando- Aufschreie. Dem steht das mit wenigen Steichern und überreichem Schlagwerk spröde besetzte Konzerthausorchester Berlin gegenüber. Ein klagendes Oboenmotiv, von tiefen Harfentönen unterlegt, evoziert das archaische Kolchis, Medeas Heimat. So weit kommt Katzer den Hörgewohnheiten seines Publikums sonst nicht entgegen – und wie die Oboe ein gewisses „Passions“- Flair verbreitet, so erinnert auch der diskutierende, kommentierende und letztlich zum die Märtyrerin vernichtenden Mob mutierende Chor an die großen sakralen Oratorien.

Annette Markert mit warmem, doch etwas zu zartem Alt verstärkt als Medea die Facette der leidenden Güte, während Markus Schäfer als untreuer Ehemann Jason seine tenoralen Spitzentöne etwas mühsam erklimmt. Christina Roterbeg ist mit hohem Sopran eine etwas unschlüssige Glauke, der Bassist Egbert Junghanns der machthungrige Akamas. Friedrich-Wilhelm Junge gibt die Sprechrolle des hilflos erkennenden Leukon mit der gebotenen Distanz. Trotz klugen Spannungsaufbaus kommt das Geschehen über eine gewisse Schwarzweißzeichnung nicht hinaus – doch allen Beteiligten gilt starker Beifall, zuvörderst dem von Achim Zimmermann engagiert geleiteten Chor und dem Komponisten.



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