Kultur : Die spannende Geschichte der Bankiers-Familie Warburg

Jobst-Hinrich Wiskow

M. M. Warburg & Co." hält viel mehr, als der Titel verspricht: Das Buch bietet eine sehr interessante Geschichte und führt den Leser ins Wirtschaftsleben einer Zeit, die man gemeinhin nicht mit Banken und Börsen verbindet. Da ist die Rede vom Aufschwung in Hamburg durch den Siebenjährigen Krieg (1756-1763), von den hohen Gewinnen durch den Amerikahandel nach der Unabhängigkeit der USA und vom großen Crash infolge des Krimkriegs (1853 - 1856).

Die Banken funktionierten fast wie Königshäuser. Es gab eine regelrechte Hochzeitspolitik unter Bankiersfamilien. Ein Beispiel von vielen ist die Heirat von Moritz Warburg und Charlotte Oppenheim aus Frankfurt (Main) im Jahre 1864. Er war der Sproß der Bankendynastie, sie die Tochter eines Goldschmieds und Juwelenhändlers. Auf diese Weise kam es zu fruchtbaren Geschäftsverbindungen der Warburgs mit Frankfurter Banken.

Immer wieder sind Namen gut für Aha-Effekte. So taucht die Commerzbank schon im Jahre 1870 auf - weit später allerdings als die Warburgs. M. M. Warburg & Co. gehörte mit anderen Kaufleuten und Privatbankiers zu den Gründern der "Commerz- und Disconto-Bank". Schon damals war das Gründungskapital riesig: 20 Millionen Mark Banco. Zu einem Viertel wurde es durch die Emission von Aktien aufgebracht. Die wurden - damals schon so wie heute - 33mal überzeichnet!

Die Bankiersfamilie machte auch in den USA auf sich aufmerksam: Paul M. Warburg, 1868 in Deutschland geboren, ging um die Jahrhundertwende in die USA und wurde 1914 in das Führungsgremium der amerikanischen Notenbank, dem Federal Reserve, berufen und später ihr Vizepräsident. Derweil führte in Hamburg Max M. Warburg die Geschäfte. Er gilt als einer der bedeutendsten Warburgs. Max Warburg sollte während der Weimarer Republik sogar Finanzminister werden, schlug das Angebot indes aus, weil er die Deutschen "kenne und wisse, daß sie nie und nimmer einen jüdischen Finanzminister hinnehmen würden".

Mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten hatte für die Warburgs der Niedergang begonnen. An der Börse, die Max M. Warburg nach wie vor täglich besuchte, wurde er plötzlich gemieden. Noch im Laufe des Jahres 1933 sah er sich aus vielen Aufsichtsräten und Ehrenämtern entfernt. Kunden stellten die Geschäftsbeziehung ein. Er überließ die Bank Vertrauten, bevor der Staat sie "arisieren" konnte und emigrierte nach Amerika. Ab 1941 mußte das Hamburger Stammhaus seinen Namen ändern und firmierte nun als Brinckmann, Wirtz & Co. Erst 1956 ist wieder ein Mitglied der Familie in der Führung der Bank vertreten.

Gegen die spannende Geschichte kommt herkömmliche Zeitgeschichte trocken daher. So ist es lohnenswert zu erfahren, wie der Wettbewerb unter den Finanzinstituten die Zahl der Privatbanken weiter zurückdrängt. Warburg gibt es nach wie vor, und das Bankhaus rechnet sich Chancen aus, seine Geschichte auch nach 200 Jahren fortzuschreiben.Eckart Kleßmann: M. M. Warburg & Co. Die Geschichte eines Bankhauses. Dölling und Galitz Verlag, Hamburg 1999. 208 Seiten. DM.

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