Kultur : Die Spieler

Bassenge versteigert alte und moderne Meister

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Melancholisch und zugleich etwas aufmüpfig wirkt die „junge, rotblonde Frau in Schwarz mit Hut und Perlenkette“. Felix Nussbaum hat das Schwarz ihrer Kleider so sublim nuanciert, dass der Samt des modisch schrägen Hutes geradezu greifbar wird. Aus dem blaugrünen Hintergrund blinken die pinkfarbenen Wangen und das angedeutete rotblonde Haar. Neben ihrer Trauer fühlt man andere Emotionen, und doch hat der Maler der Neuen Sachlichkeit der jungen Frau eine ikonenhafte Konzentration verliehen.

Mit einem Schätzwert von 80 000 Euro gehört das Bildnis zu den Spitzenlosen der Moderne-Auktion bei Bassenge. Außerdem sind eine Merz-Collage von Kurt Schwitters (90 000 Euro) im Angebot sowie Ernst Ludwig Kirchners Farblithografie „Bruder und Schwester“ aus der Brücke-Zeit, die die Preisskala mit 120 000 Euro anführt.

Bei der Altmeister-Druckgrafik ragen Rembrandts Radierung „Die Windmühle“ (40 000 Euro) und Albrecht Dürers komplette „Kleine Holzschnittpassion“ (15 000 Euro) heraus. Manche Entdeckung oder in den Zeitläufen Vergessenes bieten die Gemälde Alter und Neuerer Meister des Auktionshauses im Grunewald. So ist die um 1600 gemalte „Kreuzigung mit Maria und Johannes“ eines spanischen Anonymus bereits um 1200 Euro zu haben. Eine skurrile Szene „Beim Antiquar“ hat Gotthardt Kuehl 1871 eingefangen. Mit Provenienz aus der Sammlung Georg Schäfer wird das detailfreudige Ölbild auf 15 000 Euro geschätzt. Von Jean Béraud, der 1849 als Sohn französischer Eltern in St. Petersburg geboren wurde, stammt eine subtil kritische Genreszene der Pariser Bohème.

Im Jahre 1909 hat der Chronist der Belle Epoque die Backgammonspieler „Au Café“ gemalt, die aus einer Berliner Privatsammlung stammen und mit 95 000 Euro zum Aufruf kommen. Auf 50 000 Euro beläuft sich die Taxe für ein um 1630 datiertes „Stillleben mit Kapaun, Austern und Artischocke“. Die bislang unbekannte Eichenholztafel aus süddeutschem Privatbesitz wird mit großer Wahrscheinlichkeit Georg Flegel zugeschrieben. Der 1577 in Mähren geborene Maler lebte Ende des 16. Jahrhunderts in Frankfurt und spezialisierte sich auf Stillleben. Das vorliegende Exemplar besticht durch seine delikate Malweise und seine dichte, facettenreiche Vanitas-Motivik. Aus braunen und graugrünen Nachtfarben glänzt silbern funkelnd die Schale mit den Austern, der Kapaun wird mit mildem Licht hervorgehoben. Zitronen, eine Fliege und ein Artischockenteller, der labil auf einem Brotlaib steht, runden das Gemälde ab, Michaela Nolte

Galerie Bassenge, Erdener Straße 5a. Vorbesichtigung Druckgrafik, Gemälde & Zeichnungen des 15.–19. Jahrhunderts: bis 24.5., 10–18 Uhr & 25.5., 10–17 Uhr. Die Vorbesichtigung Moderne Kunst findet in der Rankestraße 24 statt (Öffnungszeiten wie oben). Auktionen: Druckgrafik des 15.–19. Jhds., 26. Mai, 10 Uhr & 15 Uhr; Gemälde Alter und Neuerer Meister, 27.5., 10 Uhr; Zeichnungen des 15.–19. Jhds, 27.5., 15 Uhr; Moderne Kunst, 28.5., 10 & 15 Uhr.

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