Die Sportfreunde Stiller im Interview : "Es ist wichtig, positiv zu bleiben"

Peter Brugger und Florian Weber von der Popband Sportfreunde Stiller über ihr neues Album, Gefühle, Ohrwürmer und Rollatoren.

Laura Bähr
Von links nach rechts: Sänger und Gitarrist Peter Brugger, Schlagzeuger Florian Weber und Bassist Rüdiger Linhof.
Von links nach rechts: Sänger und Gitarrist Peter Brugger, Schlagzeuger Florian Weber und Bassist Rüdiger Linhof.Foto: N. Stiller

Herr Brugger, Herr Weber, mit Ihrem aktuellen Album „Sturm & Stille“ wollen Sie ein Zeichen für „Optimismus, Wagemut und Verbundenheit“ setzen. Mangelt es daran derzeit?

BRUGGER: Das glaube ich schon. Wir machen das aber nicht wirklich bewusst. Es ist eher so, dass wir immer wieder feststellen, dass wir in unseren Liedern, auch wenn es um negative Dinge geht, nach einer positiven Wendung streben. Wir haben das Verlangen, dass jeder unserer Songs ein Happy End hat. Es ist trotz der vielen krassen Sachen, die gerade passieren, die einem Angst machen, wichtig, positiv zu bleiben.

Das fällt nicht allen leicht ...

BRUGGER: Durch die Nachrichten bekommt man ja auch das Gefühl, dass es nur noch negative Neuigkeiten gibt. Aber wir müssen als Menschen gut miteinander auskommen, kommunizieren und vor allem die Menschen bei uns aufnehmen, denen es anderswo scheiße geht. Wenn man die Wahl hat, Dinge positiv oder negativ zu betrachten, würde ich immer die positive Variante wählen.

Mit dem Song „Das Geschenk“ waren Sie wieder in den Charts. Haben Sie mittlerweile ein Gefühl dafür, wie man einen Hit schreibt?

WEBER: Ich finde, wir haben es in all den Jahren geschafft, ein gutes Spektrum abzuliefern. Wir haben früh die Weichen gestellt, dass man uns als Band sowohl Balladen als auch punkige Nummern abkauft. Wir setzen uns jetzt aber nicht hin und konstruieren etwas mit dem Ziel, dass es toll ankommt. Vielleicht flattert das ein oder andere Mal das Wort Radiotauglichkeit durch den Raum, aber es ist ja auch schwer, so was zu schreiben. Das können nur wenige Produzenten.

BRUGGER: Dieter Bohlen kann das.

WEBER: Und Pharrell Williams.

Doch auch bei Ihren Songs gibt es eine gewisse Ohrwurmtauglichkeit. Ist das für Sie ein Kompliment?

WEBER: Bei Ohrwürmern muss man unterscheiden. Es gibt welche, die einfach nur wehtun, die will man dann so schnell wie möglich aus dem Kopf haben. Die gehen dann allerdings meistens nicht raus. (lacht)

Zum Beispiel?

BRUGGER: Bei mir ist das aktuell „Hulapalu“ von Andreas Gabalier, ich bekomme es einfach nicht aus dem Kopf. Oder „Viva Colonia“ von den Höhnern, so was hämmert sich in den Kopf und man denkt nur: Bitte verlass mich! Auf der anderen Seite gibt es Ohrwürmer, die zuerst eine leichte Wärme in der Bauchgegend entfachen und sich dann langsam hocharbeiten und im Kopf bleiben. Solche Ohrwürmer möchte ich gerne schreiben. Dazu muss man natürlich eine tolle Melodie erfinden ... Also, was heißt erfinden, ich frag mich ja sowieso jedes Mal woher die ganzen Melodien kommen.

WEBER: Von den Beatles. Die kommen alle von den Beatles.

BRUGGER: Das glaube ich auch. Die haben die Beatles damals erfunden und jetzt schwirren sie alle in der Atmosphäre umher und ab und zu darf man sich eine fangen und zu einem Lied verarbeiten.

In „Brett vorm Herz“ singen Sie „Ich schalte mich aus, bin innen hohl, ich lasse nichts raus außer Selfcontrol“. Wie kommt eine solche Zeile zustande?

BRUGGER: Ich schreibe kein Tagebuch oder denke ständig ,Oh, das könnte eine schöne Zeile für ein Lied sein’. Manchmal schreibe ich mir ein paar Stichworte auf, wenn ich ein interessantes Gespräch hatte oder mich ein Film oder ein Lied inspiriert hat. Oder es entstehen Texte einfach aus einer Stimmung heraus. So war es bei diesem Lied. Ich hatte in letzter Zeit oft das Gefühl, dass es viele Menschen gibt, die sehr verschlossen sind, keine Emotionen zulassen. Das ist meiner Ansicht nach nicht der Sinn des Lebens.

Wird in der Band viel über die Texte diskutiert?

WEBER: Als Peter damit ankam, war ich sofort begeistert, dass wir auch mal die dunklen Seiten beschreiben. Unser Bassist Rüdiger konnte damit weniger anfangen und nach langer Diskussion haben wir dann beschlossen, die Stimmung des Liedes im Refrain doch wieder zu kippen. Das Brett wird weggerissen und es kommt zu einem positiven Ende. Bei so was diskutieren wir als Band schon eine Weile.

Ein Lied darf bei den Sportfreunden nicht traurig enden?

WEBER: Meinetwegen dürfte es das (grinst). Schließlich befindet es sich ja immer noch in einem Pool von vielen weiteren Liedern, die alle positiv enden. Aber in dieser Dreierkonstellation geht das offenbar nicht und das ist für mich dann auch völlig in Ordnung. Irgendwie haben die Sportfreunde Stiller wohl doch den Drang zum positiven Ende.

Im Song „Zeit für Gutes“ fordern Sie dazu auf, wieder mehr Gutes zu tun: Was war Ihre letzte gute Tat?

WEBER: Ich habe vorgestern im Karstadt in Leipzig einer Frau mit Rollator die Tür aufgehalten. Und ich hab einer Band auf dem Festivalgelände unseren Biervorrat geschenkt, weil wir das Festival verlassen mussten und noch Bier übrig hatten.

BRUGGER: Ich habe kürzlich einer Frau ohne Rollator die Tür aufgehalten.

Das Gespräch führte Laura Bähr.

„Stille & Sturm“ ist bei Vertigo erschienen. Konzert: Columbiahalle, 14.12., 20 Uhr

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