Kultur : Die Stadt, der Müll und der Dschungel: Fotos von Martin Eberle

Daniel Völzke

Zweige, Äste, Gestrüpp. Dazwischen Müll, urwüchsig, als gehöre er hier hin: Latten, ein umgekippter Weihnachtsbaum, Felgen. Der Fotograf Martin Eberle sucht hinter all dem Schutt Natur. Bekannt geworden ist er, einst auch Mitbetreiber der Galerie berlintokyo, mit einer Arbeit, die urbaner kaum sein könnte: Der Fotoband „Temporary Spaces“ aus dem Jahre 2001 versammelt Aufnahmen Berliner Clubs, die beinahe nostalgischen Wert besitzen: Die meisten dieser Nachtlebenorte sind mittlerweile geschlossen oder abgerissen. Heute fotografiert Eberle keine „Zeitzonen“ mehr. Zwar interessiert ihn immer noch der öffentliche, städtische Raum und der „Krieg“, wie der Fotograf es nennt, um dessen Nutzung. Doch ein anderes Thema gewinnt an Gewicht: die Natur. Auch sie führt Krieg um Raum – mit dem Menschen. Mag der Müll noch so versöhnlich in die Landschaft hineinwuchern, die Bilder Eberles zeigen eine melancholische Stimmung und wirken wie eine ökologische Anklage. Die Austellung „stay“ in der Galerie Neue Dokumente zeigt sieben dieser Großstadtdschungel-Fotos (bis 21. Dezember, Schönhauser Allee 8, Do–So 15–20 Uhr). Auf wackligen Holzpaletten tastet sich der Besucher zwischen den Bildern hindurch und blickt in ein Loch. In der Mitte des Raumes schaut ein freundlicher Himmel zurück. Unter den Pflastersteinen, unter dem Gerümpel und dem Müll, liegt das Erhabene.

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