Kultur : Die Stadt hat tausend Augen Lettische und deutsche Studenten drehen in Riga

Vanessa Loewel

Die Moskauer Straße in Riga beginnt gleich hinter dem Bahnhof. Sie führt aus der frisch restaurierten Altstadt in die Moskauer Vorstadt, dem ärmsten Wohnbezirk Rigas. Arbeitslosigkeit, Alkoholismus und Gewalt bestimmen dort das Leben der Menschen. „Riga – Moskauer Straße“, so lautete der Titel eines Workshops, den der Berliner Regisseur Fred Kelemen mit Filmstudenten aus Riga und Potsdam in der lettischen Hauptstadt veranstaltet hat. Die Moskauer Straße sollte dabei ein „Sprungbrett für die Imagination“ sein. „Ich finde es interessanter, an die Ränder der Gesellschaft zu gehen, denn dort zeigt sich das Wesen einer Gesellschaft“, sagt Kelemen. Drei Monate hat Kelemen im Herbst 2004 in Riga mit den Studenten an ihren Filmen gearbeitet, der Kontakt war vier Jahre zuvor, bei einer Aufführung seines Films „Abendland“ im Goethe-Institut, entstanden.

Die 16 Filme, die nun in Berlin zu sehen sind, erzählen vom Alltag zwischen neuem Reichtum und zerfallenen Sowjetbauten. In „Mirklis“ (One Moment) von Maija Romasko begegnet ein Zehnjähriger einer Eventmanagerin, die einen ausgefallenen Partyort sucht. Am Ende picknicken sie zwischen den Ruinen eines zerfallenen Hauses. „Binoklis“ (Binoculars) von Valdis Celmins handelt von der Freundschaft zweier Nachbarn, die endet, als einer der beiden Alten sich einen Fernseher anschafft. Während die lettischen Studenten sich ihren Stoffen vor allem fiktiv nähern, ist der Blick der deutschen Jungfilmer meist dokumentarischer. Für „Moskatchka“ (Klein-Moskau) hat Annett Schütze an zwölf verschiedenen Orten in Riga Kameras postiert. Ein Kaleidoskop aus Webcams, man meint der Wirklichkeit in Echtzeit zuzuschauen.

21. und 22 .1. , 19 Uhr, Arsenal

0 Kommentare

Neuester Kommentar