Kultur : Die Stimme aus dem Off

Pumuckl schweigt: zum Tod von Hans Clarin

Bodo Mrozek

Sie tönte dunkel und rauchig, manchmal auch dröhnend und etwas rau. Sie konnte scheppern wie ein Blecheimer und kieksen wie im Stimmbruch. In jedem Fall aber war diese Stimme so charakteristisch, dass sie keiner so schnell vergaß, der sie jemals gehört hatte – und das waren viele. Der Stimme von Hans Clarin lauschten Generationen. Für viele war es die erste Begegnung mit der Kulturform des Rezitierens: in Form von Hörspielen.

Den meisten dürfte Hans Clarin als Sprecher eines rothaarigen Kobolds namens Pumuckl begegnet sein. Bis in die Neunzigerjahre lang lieh er dem vorwitzigen Gnom sein eigentümliches Organ. Die von Ellis Kaut 1961 erfundene Figur war Jahrzehnte lang eine der populärsten Kinderfiguren, zunächst im Radiohörspiel, dann auf Schallplatten und später auf dem modischen Medium der Kassette. Ins Fernsehen brachte Pumuckl es 1982, heute erscheinen immer noch Hörspiel- CDs und DVDs. Doch nicht nur Pumuckl, sondern auch Hui-Buh, das Schlossgespenst, besaß Clarins Stimme.

Weniger bekannt ist, dass der in Wilhelmshaven geborene Clarin auch eine Bühnenkarriere hinter sich hatte. An der Münchner Falckenberg-Schule hatte er Schauspiel studiert, 1952 in Grillparzers „Weh dem, der lügt“ an den Münchner Kammerspielen debütiert und wurde zum Bayerischen Staatsschauspieler ernannt. Clarins spätere Rollen waren populär: Er wirkte in Mächenfilmen und Krimis mit, spielte den Donner-Karlsson in „Pippi Langstrumpf“, Charleys Tante und den Pfarrer in der Fernsehserie „Hochwürden“.

Seine Sprecherkarriere begann mit der US-amerikanischen Fernsehserie „77 Sunset Strip“, in der Clarin den Kriminalassistenten Cookie synchronisierte. Privat hatte sich Clarin auf einen 400 Jahre alten Bauernhof im Chiemgau zurückgezogen. 2001 musste er sich einer Stimmbandoperation unterziehen. Am Sonntag nun verstummte eine von Deutschlands markantesten Stimmen: Hans Clarin verstarb im bayerischen Aschau an Herzversagen. Der Protestant wird am Donnerstag wunschgemäß nach katholischem Ritus beigesetzt.

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