Kultur : Die Strategie

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Rolf Brockschmidt über Prinz Claus, die Deutschen und die Niederländer

„Er war der beste Prinzgemahl, den wir je hatten“ ist Harry Mulischs Reaktion auf den Tod von Prinz Claus. Dem niederländischen Großschriftsteller wird niemand widersprechen. Die Zeiten haben sich dramatisch geändert. Deutschen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg nicht gerade viel Sympathie entgegengebracht. Bis Anfang der neunziger Jahre gehörte in unserem Nachbarland eine gewisse antideutsche Attitüde zum guten Ton unter den Intellektuellen. Und heute trauern die Niederländer um Prinz Claus, den ehemaligen deutschen Diplomaten. Ein wenig verwundert reagieren sie heute über die damalige Aufregung über das 1965 heimlich aufgenommen Foto von Prinzessin Beatrix und Claus von Amsberg kurz vor der Verlobung. Ein Deutscher, der einmal eine Wehrmachtsuniform getragen hatte, sollte Ehemann der Thronfolgerin werden? Das Land war damals scharf in links und rechts gespalten, die Protestbewegung äußerte sowieso ihren Unmut über die Oranier und ihren Prinzgemahl Bernhard, der es so gut mit der Großindustrie verstand.

Der Diplomat Claus von Amsberg wusste, auf was er sich da einließ. Er hatte all seine diplomatischen Pläne fahren lassen. Er setzte sein ganzes diplomatisches Geschick ein, um das gängige Bild vom hässlichen Deutschen zu ändern. Die Sprache wurde seine Waffe. Schon bei der Bekanntgabe der Verlobung las er seine ersten öffentlichen Worte auf Niederländisch ab, korrigierte sogleich seine Aussprachefehler. Relativ schnell verstand er es, ein akzentfreies Niederländisch zu sprechen, ganz im Gegensatz zu seinem weniger populären Schwiegervater Bernhard, der nie die Anstrengung unternommen hatte, an seinem groben deutschen Akzent zu feilen.

Die Anstrengung, die Sprache rasch zu lernen, wird in den Niederlanden belohnt. Seiner argentinischen Schwiegertochter Máxima gab Claus den Tipp mit der Sprache weiter – sie hat sie noch schneller gelernt als er. Es stärkt das niederländische Selbstbewusstsein, vor allem, wenn man sich neben dem doch so ähnlichen, aber viel größeren Nachbarn behaupten muss. Die zweite Waffe war des Prinzen große Sympathie für die Dritte Welt. In der Zeit der Studentenbewegung kam es bei den Niederländern gut an, wenn man sich für Entwicklungshilfe engagierte, soweit es die Position im Königshaus zuließ. So wurde der niederländische Prinz zum Vertreter eines anderen Deutschland, das man damals so noch nicht wahr genommen hatte. Claus band das linke Milieu mit seinen republikanischen Ambitionen, das bei der Hochzeit 1966 noch Rauchbomben geworfen hatte, an das Königshaus. Claus hat sich als Europäer gefühlt, Niederländer zu sein, gehört dazu. Seinen Söhnen wollte er 1988 antideutsche Parolen bei der Fußballeuropameisterschaft nicht durchgehen lassen. Seine Wurzeln konnte er nicht verleugnen.

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