Kultur : Die Stunde der Räuber

Die Unesco fürchtet im Irak Plünderungen mehr als Kriegsschäden

Nicola Kuhn

Schon vor Ausbruch des Irak-Krieges stand diese etwas andere Taskforce bereit; nun, mit Ende der Kampfhandlungen steht ihr Einsatz bevor: eine von der Unesco zusammengestellte Expertengruppe, die sich der zerstörten Kulturgüter am Golf annehmen soll. Noch ist nicht bekannt, welche antiken Monumente tatsächlich beschädigt wurden. Mounir Bouchenaki, Vizegeneraldirektor für Kultur bei der Unesco, berichtete von Museen in Trikrit und Mossul sowie Gebäuden in Bagdad - darunter der Abassiden-Palast -, die getroffen worden seien. Noch hofft man, dass die Zerstörungen vergleichsweise gering ausfallen, wie beim ersten Golfkrieg.

Die schwersten Schäden könnten dem Irak also erst bevorstehen, wenn Plünderer ihre Stunde gekommen sehen. Auch nach Ende des ersten Golfkrieges waren Menschenmassen in die Museen des Landes eingefallen, die von ihren unbezahlt gebliebenen Aufsehern einfach zurückgelassen worden waren. Zahlreiche Häuser wurden komplett ausgeraubt, Jahrtausende alte Schätze einfach mitgenommen, von denen zahlreiche später auf dem Schwarzmarkt auftauchten. Um das zu verhindern, sind diesmal die bedeutendsten Werke aus den Museen der Provinz in die Hauptstadt gebracht worden, wo man sich besseren Schutz verspricht.

Dabei droht nicht nur von dieser Seite Gefahr. Ein 2002 gegründeter „American Council on Cultural Policy“, zu dem sich amerikanische Kunsthändler, Anwälte, Wissenschaftler und Museumsdirektoren zusammengeschlossen haben, strebt die Lockerung der irakischen Antiquitätengesetze an. Dies könnte dem legalisierten Ausverkauf der Altertümer gleichkommen, fürchten Experten.

Der Schutz der Unesco ist also mehr als gefordert. Für den 17. April hat deshalb der Generaldirektor der Unesco, Koichiro Matsuura, ein Treffen von 20 der besten Kenner irakischer Kulturschätze in Paris angekündigt. Hier soll ein Not-Rettungsplan entwickelt werden. Die Unesco setzt auf Erfahrungen, die sie im Libanon, Bosnien, Kroatien, Kambodscha und Afghanistan jeweils nach Kriegsende sammelte. Außerdem soll Assur noch in diesem Jahr in das Weltkulturerbe aufgenommen werden.

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