Kultur : Die Trittbrettfahrer

In Boomzeiten wächst auch der Zwischenhandel: der Kunsthandel Vonderbank Artgalleries in Berlin

Daniel Völzke

Gerhard Schröder war da und räsonierte über Georg Baselitz’ „Adler“. Anderntags warf Guido Westerwelle einen Blick auf Arbeiten von A. R. Penck. Die hauptstädtische Dependance der Galerie Vonderbank erhält prominenten Besuch an prominentem Ort: Im Oktober eröffnete das Frankfurter Stammhaus eine Filiale Unter den Linden, gegenüber der Komischen Oper. „Dieser Standort ist für uns Gold wert“, sagt Leiterin Mirela Pappermann und berichtet von Touristen aus nahen Luxus-Hotels, die ein kleines Penck-Bild direkt unter dem Arm mitnähmen.

Die aktuelle Ausstellung nennt sich ebenso großspurig wie lakonisch „German Art“ und zeigt rund 70 Arbeiten aus dem Bestand: großformatige Gemälde, kleine Papierarbeiten und Skulpturen. Namen wie Gerhard Richter, Jörg Immendorff, Günter Uecker oder Markus Lüpertz garantieren, dass die Schau ihrem Titel gerecht wird. Dabei vertritt Vonderbank diese Künstler nicht im klassischen Sinn einer Galerie. Die Arbeiten gehören der Art Estate GmbH. Diese wiederum ist eine Tochtergesellschaft der EECH-Group, die auch mit Immobilien und erneuerbaren Energien handelt. „Werte sichern, Werte schaffen“, lautet das Motto dieses Unternehmens. Die Experten der Art Estate kaufen dafür zeitgenössische Werke auf Messen und Auktionen, von Sammlern und Galerien. Vonderbank präsentiert und verkauft anschließend die Kunst – mit Wertgewinn versteht sich. Das Unternehmen entstand aus einer in Aachen ansässigen Galerie für Grafik und Malerei, die 1866 gegründet wurde und später nach Frankfurt umzog.

Mit dem boomenden Kunstmarkt wächst der Handel mit Arbeiten, die nicht direkt aus den Ateliers der Künstler kommen. Das war schon auf der letzten Art Cologne zu beobachten, als kleinere Werke von Elizabeth Peyton oder Matthias Weischer auch ohne die dazugehörigen Galerien zu sehen waren. Der Secondary Market entdeckt keine Künstler, begleitet sie nicht – und beteiligt sie natürlich auch nicht am Verkauf einer Arbeit. Gekauft wird, was einen etablierten Namen hat und Absatz findet. Manch einem Kunstliebhaber wird dieses unverhohlen kaufmännische Interesse verdächtig sein: Kunst wird hier endgültig zum Spekulationsobjekt. Das muss man aushalten können bei einem Besuch der Filialen von Vonderbank. Für den Kunstmarkt können solche Händler aber auch stabilisierenden Charakter haben, da sie keine Risiken eingehen und verhältnismäßige Preise zahlen – im Gegensatz zu manchem leidenschaftlichen Sammler, der bereit ist, überhöhte Summen zu bieten, und so eine enorme Fallhöhe für den Künstler schaffen könnte. Pappermann sieht als weiteren Vorteil einer Secondary-Market-Galerie: Hier kann sich der Sammler zu vielen Positionen beraten lassen, während eine Galerie des Primary Market nur wenige Künstler vertritt.

Neben den Frankfurter und Berliner Galerien unterhält die Vonderbank Artgalleries noch eine Hamburger Dependance. Jede Zweigstelle hat ein eigenes Profil: In Hamburg werden zeitgenössische Amerikaner gezeigt, in Berlin deutsche Kunst nach 1945. Man hat sich viel vorgenommen für dieses Jahr, will auf Messen präsent sein und neue Wege gehen. Mit dem so genannten „Relationship Marketing“ etwa versucht man, „die richtigen Leute in der Kunstbranche“ direkt mit Themenabenden, Vorträgen und Führungen anzusprechen. Auch die Ausstellungen sollen von mehr kuratorischem Feingefühl zeugen als der hingeprotzte Auftakt: Demnächst zeigt man Baselitz, dann eine Schau mit Arbeiten zeitgenössischer Meister neben Werken ihrer Schüler. Bei diesem konkreten Vergleich könnte sich erweisen, ob es sich lohnt, allein auf die Etablierten zu setzen.

Vonderbank Artgalleries, Gallery Berlin, bis 15. März, Unter den Linden 40; Montag bis Freitag 11–19 Uhr; Sonnabend 11–16 Uhr.

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