Kultur : Die Türöffner

Katrin Wittneven

Kurt Tucholsky beschreibt den Übergang vom Sommer zum Herbst als „fünfte Jahreszeit“: „Eines Morgens riechst du den Herbst. Es ist noch nicht kalt; es ist nicht windig; es hat sich eigentlich gar nichts geändert – und doch alles. Es geht wie ein Knack durch die Luft – es ist etwas geschehen“. In Berlin begleitet diesen sinnlichen Moment ein Paukenschlag: das Art Forum Berlin , das am kommenden Freitag beginnt und seine spätsommerlichen Schatten bereits vorauswirft. So bietet der Kunstherbst Berlin bis Mitte Oktober ein reiches Programm. Zum zehnten Jubiläum gönnen sich die Veranstalter mit einem „boulevART“ eine eigene Ausstellung am Kurfürstendamm, wo an zehn Stationen in Schaufenstern, Vitrinen und Passagen Kunst zu sehen ist (bis 24. Sept.) .

Das diesjährige Thema „Die Kunst im 21. Jahrhundert“ ist denkbar weit gesteckt, und so führen die kostenlosen „Parcours“ an Orte wie die Kunstsammlung des Deutschen Bundestages (14. und 15. Okt.), Firmensammlungen wie die der Deutschen Bank (30. Sept.), Privatsammlungen (am 8. Okt. zu Erich Marx) und durch Galerienviertel. Die Podiumsdiskussionen greifen Themen wie „Wa(h)re Kunst – Kunst, Kommerz und Markt“ (26. Sept., 20 Uhr, Marie-Elisabeth-Lüders-Haus) oder die „Ästhetische Position am Anfang des 21. Jahrhunderts – von Künstler aus gesehen“, wo u. a. Mona Hatoum und Thomas Scheibitz diskutieren (3. Okt., 15 Uhr, Art Forum Berlin Talk Lounge, Palais am Funkturm). Das komplette Programm und die Anmeldebedingungen unter www.kunstherbst.de.

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In Kooperation mit dem Art Forum hat auch der Landesverband Berliner Galerien ein Angebot mit Führungen durch ausgewählte Galerienquartiere organisiert. Hinter dem Titel Artinsight verbergen sich ein VIP-Besuch des Art Forum s und von Kunsthistorikerinnen begleitete Galeriebesuche u. a. bei Brusberg, Eva Poll, Alexander Ochs, Michael Schultz, Tammen und Wolfgang Werner (30. Sept. bis 2. Okt., Einzelpreis 100/Paarticket 150 Euro, www.berlin-artinsight.de). Der eigenständige Besuch der Berliner Galerien bleibt selbstredend umsonst. Also auf in den Herbst. Denn wie heißt es in Erich Kästners Herbstgedicht? „Die Straßen ähneln Korridoren, in denen Türen offen stehn.“

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