Kultur : Die Verliebtheit der Jugend

KLASSIK

Sybill Mahlke

Wer Klavier spielt, hat Glück bei den Frauen und Männern im Publikum der ausverkauften Staatsoper . Jedenfalls herrscht Hochstimmung, wenn Chefdirigent Daniel Barenboim sich für eine Liedermatinee in die Begleiterrolle begibt. Nicht zufällig hat man die „kleinen Dinge“, die uns im „Italienischen Liederbuch“ von Hugo Wolf entzücken, auch „Duette“ genannt, weil ihr Charakteristikum das Ineinandergreifen von Singstimme und instrumentaler Gegenstimme ist. Barenboim genießt die Klavierminiaturen, zumal er ein Sängerpaar von besonderer Qualität begleitet: Angela Denoke und Thomas Quasthoff . Im Wechselspiel zwischen Frauen- und Männerliedern, thematisch auf Liebe, Tändelei und Zänkerei fixiert, bildet der Pianist die Konstante. Quasthoffs Bariton steigt zu feierlichem Crescendo auf: „Ihr seid die Allerschönste“, und Barenboim konzentiert sich mit ihm auf die zeremonielle Umschreibung des Doms von Siena, der sich vor der Liebsten zu neigen habe. In „Benedeit die sel’ge Mutter“ nimmt die Gestaltung der beiden Künstler sinfonischen Rang ein, mit expressivem Höhepunkt: „Ach, der Wahnsinn fasst mich an!“ vor der Reprise.

Was Quasthoff seiner Partnerin voraushat, ist die Konzentration auf Textdeutlichkeit. Die Übertragungen aus dem Italienischen von Paul Heyse mögen keine hohe Literatur sein, Wolfs Lieder aber wollen auch inhaltlich verstanden werden. Denoke beginnt eher opernhaft, um sich zunehmend in die Stimmung der Vertonungen zu versetzen. Viele sind ja Dramen en miniature, so dass zwischen Sänger und Sängerin Szenen einer Verliebtheit entstehen. „Du denkst mit einem Fädchen mich zu fangen“, wirft sie ihm mit charmanter Ablehnung zu, während ihr Verlangen heißt: „Ach wäre doch ein Musikus mir gut!“ Das Vergnüglichste an diesem Dramolett ist das Nachspiel, in dem der Pianist sich in das Geigerlein versetzt, das zaghaft und patzend mit einer Etüde kämpft.

Werbung schmückt: Mit festlicher Spende gratuliert am Ende die Firma Blumen-Heese aus der Prenzlauer Allee.

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