Kultur : Die Vorzüge der Wir-AG

POP

Hans von Seggern

UB 40 ist die Nummer eines britischen Formblattes zum Antrag auf Arbeitslosenunterstützung. Ein positives Image erlangt das Kürzel, nachdem sich 1979 in Birmingham eine Reggae-Band gründet und nach dem Formular benennt. UB 40 ist eine Art frühe „Wir-AG“ und mittlerweile der Inbegriff des Salon-Reggae. Von Roots-Puristen verschmäht, sind sie jedem Partygänger bekannt, insbesondere durch ihre Schunkel-Adaptionen von Hits anderer Stars wie Elvis oder Neil Diamond. Im Unterschied zur SPD, deren britischer Schwesterpartei sich UB 40 verbunden fühlt, gelingt es der achtköpfigen Formation immer wieder, ihre Fans zu mobilisieren, so am Samstag im Tempodrom . Vor dem erdig jammenden Fundament der Rhythmusfraktion strahlt Sänger Ali Campbell mit seiner zugleich leidenden wie euphorisierenden Stimme, flankiert von Astro, Reggae-Toaster mit meterdicken Dreadlocks, dessen Raps zu spontanem Jubel hinreißen. Ein einziges Mal suchen UB 40 an diesem Abend Anschluss an die chartgängige Moderne, und zwar mit den hypnotisierenden Ragga-Riddims des Bassisten Earl Falconer. Und nach zwei Stunden musikalischer Magie bläst Saxophonist Brian Travers auf seiner elektronischen Schalmei dann zum Heimweg – nach „Kingston Town“.

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