Kultur : Die Warhol-Maschine

Robert Kusmirowski inszeniert in der Galerie Johnen Künstler-Ateliers

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Vorleger. So stellt sich Kusmirowski die
Vorleger. So stellt sich Kusmirowski die

Zuwiderhandlungen passieren selten in der Kunst. Schließlich ist dort alles erlaubt. Robert Kusmirowski schafft es dennoch. Er verpackt seine neuesten Arbeiten in der Galerie Johnen als Hommagen an große Meister der Moderne. Und macht dann doch alles anders, als jene es wohl gewollt hätten.

Um ein schwarzes Feld hat Kusmirowski rostige Gegenstände arrangiert: Teerfass, Schubkarren, Spaten. Es sieht aus, als hätten hier Straßenarbeiter vor langer Zeit ein abgestecktes Rechteck asphaltiert. Sogar ausgebeulte Stiefel stehen noch am Rand. Kusmirowski bezieht sich hier auf Kasimir Malewitschs „Schwarzes Quadrat“. Mit dieser einfachen geometrischen Form auf der Bildfläche strebte der russische Künstler 1915 die absolute Gegenstandslosigkeit an. Dies unterläuft Kusmirowski in seiner Inszenierung. Er schafft eine Erzählung drumherum.

Ähnlich geht er in der Rauminstallation zu Jackson Pollock vor. Auch hier endet das Kunstwerk nicht an den Rändern des Bildes, stattdessen wird es in den Raum erweitert. Auch hier blickt Kusmirowski auf den Entstehungsprozess: Er hat das vermeintliche Atelier des amerikanischen Action-Painters eingerichtet. Der Boden und die Wand sind voller bunter Spritzer. Dass alles nur Behauptung ist, wird an Details offensichtlich: Der Siebdruckrahmen entpuppt sich als Bettgestell. Und richtig absurd wird es in der Suppenmanufaktur, die der Künstler für Andy Warhols berühmte Campbell-Dosen aufgebaut hat.Mit der verstaubten kümmerlichen Maschine kann man nie und nimmer Tomatensuppe kochen. Und die Dosen à la Warhol sind fein säuberliche Zeichnungen, obwohl sie auf einem Papierstreifen aus einer Druckerpresse wachsen. Massenproduktion, das Thema der Pop-Art, sieht anders aus.

Dafür hat Kusmirowski für Roman Opalka eine Schreibmaschine eingerichtet. Ausgerechnet für jenen Künstler, der eigentlich seit Jahrzehnten fortlaufende Zahlenreihen mit dem Pinsel aufträgt und das Schwarz immer mehr aufhellt, bis er eines Tages weiß auf weiß malen wird, und sich die Ziffern vor dem Hintergrund nicht mehr abzeichnen. Hier offenbart sich die Verwandtschaft zu Malewitsch: Auch er kam vom schwarzen zum weißen Quadrat auf weißem Grund. Dass es Kusmirowski bei aller ironischen Fabulierlust doch Ernst ist mit der Kunstgeschichte, zeigt sich in diesem Brückenschlag.

Sind diese vier Installationen (je 60 000 Euro) nun echte Kusmirowskis? Oder steckt in dem großformatigen Tröpfel-Spritz-Bild doch mehr Pollock? Der 1973 in Lodz geborene Künstler evoziert mit seinen Arbeiten Fragen über Originalität und geistiges Eigentum. Und er handelt als jüngerer Künstler vielleicht sogar im Sinn der vier älteren, weil er den Kern ihrer Kunst begreift und herausschält. Eindeutige Antworten gibt es keine, dafür eine Formel: „Square 2“, so heißt die Ausstellung. Quadrat hoch zwei. Warhol hoch Kusmirowski. Oder verhält es sich andersherum?

Galerie Johnen, Marienstraße 10; bis 16. April, Di-Sa 11-18 Uhr.

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