Die Weimarer Verleihung der Goethe-Medaillen : Was das Theaterwerk zusammenhält

Die Theatergrößen Krystyna Meissner, Robert Wilson und Gerard Mortier (postum) sind in diesem Jahr zu Goethes Geburtstag mit der Goethe-Medaille ausgezeichnet worden. Bewegende Momente in Weimar.

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Der US-Amerikanische Künstler Robert Wilson (r) erhält in Weimar von Klaus-Dieter Lehmann, Präsident des Goethe-Instituts, die Goethe-Medaille.
Der US-Amerikanische Künstler Robert Wilson (r) erhält in Weimar von Klaus-Dieter Lehmann, Präsident des Goethe-Instituts, die...Foto: dpa

Die Stadt ist eine Glaskugel. Wenn man sie schüttelt, rieselt es Partikel kollektiver wie persönlich gefärbter Weltgeschichte. Drei Theatermenschen sind in diesem Jahr zu Goethes Geburtstag in Weimar mit der Goethe-Medaille ausgezeichnet worden. Das Theater, sagt Klaus-Dieter Lehmann, Präsident des Goethe-Instituts, existiert in zwei Sphären: in den nationalen Kulturen ebenso wie in transnationalen Produktionen und hybriden Festivalformen. Dabei versteht sich das Goethe-Institut als Mittler und auch Koproduzent.

Krystyna Meissner gehört zu den großen Figuren der europäischen Bühne. Ihre Festivals „Kontakt“ in Thorn und „Dialog Wroclaw“ haben sehr viel mehr deutschsprachiges Theater nach Polen geholt, als deutsche Theater und Festivals sich mit den Künstlern des nahen Nachbarlands beschäftigen. Und sie hat die heute führende polnische Regieklasse um Krzysztof Warlikowski und Grzegorz Jarzyna auf den Weg nach Westen gebracht. Die Goethe-Medaille hat sie am Donnerstag im Weimarer Stadtschloss für ihren Mut, ihre Ausdauer, ihren freien Geist erhalten, wie die Laudatorin Renate Klett bemerkte – die bei der Gelegenheit die Wachheit des Publikums in Polen lobte, während in Berlin die Zuschauer ja „jedem Quatsch zujubeln, um sich hauptstädtisch cool zu fühlen.“

Robert Wilson dankte den Deutschen für ihre reiche Kulturlandschaft

Diese Rituale um die Goethe-Medaille herum zeichnen sich stets durch hohe Emotionalität aus. Der Amerikaner Robert Wilson dankte, den Tränen nah, den Deutschen für ihre reiche Kulturlandschaft. In der Bundesrepublik (und in Frankreich) ist er ungemein präsent, hat unzählige Werke auf die Bühne gebracht, die deutsche Dramatik ist für ihn wie ein Anker. Heiner Müllers Werke vor allem, aber auch Brecht und Büchner. Nun will er sich an beide Teile des Goethe’schen „Faust“ heranmachen. „Thank you for the honor and for giving me a home.“ Am Vorabend hat er im E-Werk, einer Spielstätte des Deutschen Nationaltheaters Weimar, eine Lecture Performance aufgeführt, einen Sologang durchs eigene Werk über ein halbes Jahrhundert, lebendiges Tableau mit einem Wesen, das ein Riesenwerk zusammenhält und weiterträgt.

Gerard Mortier wurde posthum geehrt

Gerard Mortier hat den sonnigen Tag in Weimar nicht mehr erlebt. Der Opernimpresario, Festivalleiter, Musiktheaterrevolutionär ist im März gestorben. Er wurde posthum geehrt. Für ihn sang die wunderbare Angela Denoke Lieder von Alban Berg, und Nike Wagner beschrieb sein Leben, sein Wirken. Sie zeigte, wie sehr Mortier „musiktheatralisch in Deutschland sozialisiert“ war. Für ihn nahm sein langjähriger Partner, der Dirigent Sylvain Cambreling, die Goethe-Medaille entgegen. Und sagte: „Es gibt etwas Stärkeres als den Tod. Es ist die Anwesenheit der Gestorbenen in der Erinnerung der Menschen.“

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