Kultur : Die Welt als Computerspiel

Am Anfang ist die Bühne leer und der Bildschirm schwarz. Dann ein paar Trachten und ein paar Mausklicks - an diesem Abend in den Sophiensälen ist eine Mischung aus estnischem Volkstheater und "Matrix" zu sehen: die Welt als Computerspiel (noch einmal heute, 22 Uhr). Gut, die Spezialeffekte von "Estonian Games" sind nicht so grandios wie in dem Hollywoodfilm, aber dafür haben das "Von Kral Theater" und Regisseur Peeter Jalakas entschieden mehr Humor. "Welcome to the World Game" begrüßt das auf eine große Leinwand projizierte Programm die Theaterzuschauer. Da es sich um den estnischen Beitrag zum "Theater der Welt" handelt, wandert die Maus auf den entsprechenden Flecken der Landkarte. Als Figuren entstehen und treten ein Bauernchor, ein Vater mit drei Söhnen und eine Hexe auf. Dann beginnt, abwechselnd auf Bühne und Leinwand, ein assoziativer Kommentar zur estnischen Geschichte. Und da der jüngste Sohn ein prophetisch begabter und also aus Computersicht seltsamer Spinner ist, erscheint die Fehlermeldung: "Cancel?" Das Geschehen auf der Bühne kommt zwar sehr volksmythelnd daher, die Dialoge auf estnisch, aber das englischsprachige Computerprogramm mit seiner ironischen Skepsis gegenüber den menschlich tumben Toren spricht uns überzivilisierten Zuschauern ganz aus dem Herzen und wird so eindeutig zum Star eines kurzweiligen Abends.

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