Kultur : Die Welt hat sich verschworen

Steffen Richter

Fast alle haben es getan: Odysseus, Schneewittchens böse Stiefmutter und der talentierte Mr. Ripley sowieso. In der Politik soll sie zum Geschäft gehören, selbst im Sport ist sie mit Dopingvorwürfen und Wettskandalen eingezogen. Sogar Literaturpreise kann man mit ihr gewinnen: der Intrige.

Würde man die Praxis des Intrigierens aus der Weltliteratur verbannen, bliebe nicht viel übrig. Große Teile von Homer, Dante, Shakespeare, Balzac müsste man aussortieren. Denn alle leben sie auch von jenem Bösen, zu dem die „geplante, zielgerichtete und folgerichtig durchgeführte Verstellung zum Schaden eines anderen und zum eigenen Vorteil“ gehört. So beschreibt der Literaturwissenschaftler Peter von Matt in seinem Intrigen-Buch die „Theorie und Praxis der Hinterlist“ (Hanser). Ihm zufolge steckt der Intrigant in einer „Notsituation“, entwickelt eine „Zielfantasie“ und einen „Plan“. Dass die Intrige aus der modernen Hochliteratur ausgezogen und in den Spionage- und Kriminalroman vertrieben wurde, bedauert von Matt. Am Mittwoch, 29.3. (19 Uhr 30), liest er im Ethnologischen Museum (Lansstr.8, Dahlem).

Dass der Zürcher Groß-Germanist gerade in Berlin ist, hat noch einen zweiten Grund. Seit seinen Büchern über „die Treulosen in der Literatur“ („Liebesverrat“, 1989) oder literarische „Familiendesaster“ („Verkommene Söhne, missratene Töchter“, 1995) weiß man, dass er nicht nur ein außerordentlich gelehrter Kopf ist, sondern auch ein wunderbarer Erzähler. Der Heinrich-Mann-Preis für Peter von Matt ist hochverdient. Am 2.4. (20 Uhr) nimmt er ihn in der Akademie der Künste entgegen (Pariser Platz 4, Mitte).

Zum „Waffenarsenal“ des Intriganten gehört ganz sicher die Falschmeldung. Um die kümmern sich die Journalisten Lars-Broder Keil und Sven Felix Kellerhoff . Ihr Buch „Gerüchte machen Geschichte“ (Ch. Links) geht „folgenreichen Falschmeldungen“ aus der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts nach. Dazu gehört die DDR-Kartoffelkäferplage des Jahres 1950, angeblich ein Anschlag des US-Imperialismus. Oder der vermeintliche serbische „Hufeisenplan“, umstrittene Geheimdienstinformationen über die Vertreibung von Albanern aus dem Kosovo. Keil und Kellerhoff stellen ihr Buch am Sonntag (2.4., 11 Uhr) im Pei-Bau des Deutschen Historischen Museum s vor. Das jedenfalls ist verbürgt.

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