Kultur : Die Welt im Raster

Nicola Kuhn

"Sehen und Denken" heißt eine kleine, feine Ausstellungsreihe, die seit fünf Jahren an eher verborgenem Ort in der Akademie der Künste stattfindet: unter der Foyertreppe, wo der Akademiepräsident einmal im Jahr seine sogenannte Treppenrede hält. Ein Schelm, der hieraus Folgerungen über das Ansehen der Abteilung Bildene Kunst zieht, die hier eine Nische zur Präsentation von Mitgliedern und Gästen gefunden hat.

Mit Trotz behauptet sie ihr ungewöhnliches Schaufenster, in dem diesmal der Bildhauer Erwin Heerich auftritt. "Inse" lautet lapidar der Titel der Ausstellung in Anlehnung an die nahe Düsseldorf gelegene Museumsinsel, auf der Heerich eine Vielzahl seiner Entwürfe als minimalistische Ausstellungspavillons verwirklichen konnte. Inselgleich sind diese selbst: gebaute Kuben, Kegel, Zylinder, die aus der platten niederrheinischen Landschaft ragen. Die Ausstellung zeigt Fotografien davon, die in ihrer Hängung noch einmal jenes Rastersystem wiederholen, das sich in sämtlichen Werken des heute 79-Jährigen wiederfindet. Sein künstlerischer Weltentwurf entsteht eben mit Reißschiene, Zirkel und Ziehfeder, niemals aus freier Hand. Trotzdem hat dieser Kosmos des Geometrischen auch seine spielerische Seite. Vor drei Jahren ließ der Düsseldorfer Bildhauer kleine Holzmodelle seiner Entwürfe anfertigen, die sich sämtlich in gleichgroße Kästchen fügen. Wären sie nicht in vier Tischvitrinen eingesperrt, man würde liebend gerne mit ihnen Museumsinsel spielen, so, wie Heerich es in dem ebenfalls in der Ausstellung gezeigten Video macht. Kokett behauptet der Minimalist darin, seine Arbeiten seien immer schon funktionslos gewesen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar