Kultur : Die Weltveränderer

Das Maxim Gorki bringt „Die fetten Jahre sind vorbei“ auf die Bühne

Andreas Schäfer

Wieso werden Filme eigentlich auf die Bühne gebracht, abgesehen davon, dass es Mode ist? Es hat wohl mit der Überwältigungskraft der Filmbilder und dem Wunsch zu tun, diese Wucht auch im Theater zu erleben. Aber Bühnenbretter sind schmal (und viel zarter als man vermuten würde); wahnsinnig viel Wucht können sie gar nicht vertragen. Wenn die Übernahme klappt, dann am ehesten noch bei Kammerspielen.

Der Erfolgsfilm „Die fetten Jahre sind vorbei“ über die drei Spaßrevolutionäre Jan, Jule und Peter, die in Villen einbrechen, um Möbel zu verrücken und dadurch Reiche zu verunsichern, ist eine Mischung aus Roadmovie und Kammerspiel. Rauschhafte Fahrten durchs nächtliche Berlin, der Kitzel des Einbruchs, panische Flucht im VW-Bus mit einem spontan Entführten. Einerseits. Andererseits eine schlichte Dreiecksgeschichte, angereichert mit zähen Gesprächen über politischen Kampf und globalisierten Kapitalismus.

Die Dialoge gehören nicht zu den Stärken des Films, sind aber das, was nach den Kürzungen Frank Abts, der die Geschichte für das Maxim Gorki Theater adaptiert hat, übrig bleibt. Bei Abt fällt nicht nur die spektakuläre Entführung und die Fahrt in die Berge flach, es fehlt sogar das Moment der Bedrohung. Die revolutionären Einbrecher und der zu Geld gekommene Ex-68er bleiben einfach in dessen Zehlendorfer Villa sitzen und sagen sich dort, was sie sich zu sagen haben. Jan (Maximilian Grill): „Wir leben in einer Diktatur des Kapitals. Alles, was du besitzt, hast du gestohlen.“ Hardenberg (Horst Kotterba) „Wir leben in einer Demokratie. Ich muss mich nicht dafür rechtfertigen, dass ich Dinge besitze, für die ich bezahlt habe.“ Dann packt er sein Jackett und sagt: „Ich geh dann mal.“

Statt auf Bewegung und Alpenpanorama setzen Abt und seine Schauspieler alles auf die durchschlagende, aber beschränkte Wirkung des Charme und die simplen Verwandlungen des Kindertheaters. Der Wassereimer wird im Dunkeln zum plätschernden Pool, und als die Taschenlampe in der Garage angeht, sind die drei Luxusschlitten mit Kreide an die Decke gezeichnet. Charmant ist auch die Begeisterung Iringó Rétis, die Jule als erst brennend empörte und schnell entflammte Einbrecherin gibt. Ebenso das lakonische Zögern Maximilian Grills, dessen Jan hinter der Professionalität des Aktivisten die Berührbarkeit eines jungen Werther versteckt.

Am charmantesten ist freilich die Aufforderung, die Welt praktisch zu verändern, mit der Klassenkampf und Klimadebatte notdürftig kurzgeschlossen werden. „Dreht doch mal ’ne Energiesparlampe rein“, flüstert das frischverliebte Paar ins Megafon. Bevor sich das Lächeln zum Gähnen verkrampft, ist der Abend nach einer Stunde auch schon vorbei.

Wieder am 21., 25.4. sowie 1., 10.5.

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