Kultur : Die wichtigsten Kunst- und Antiquitätenmessen im Jahr 2000 - ein Überblick

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Kunstmesse heißt das lebenswichtige Konzentrat, aus dem der Kunstmarkt alljährlich seine Vitalität gewinnt. Größere Galerien verbuchen immerhin bis zu 80% ihres Jahresumsatzes auf den mehrtägigen Trendbarometern für aktuelle Entwicklungen. Dem Besucher bieten diese reisetechnisch gut übers Jahr verteilten Messen einen komprimierten Cocktail aus Impressionen und Tendenzen. Zwischen professioneller Sortiment-Sichtung, kulturell abgesegnetem Kaufrausch und Insider-Blick auf das Systen Kunst, wenn es geschäftsmäßig rotiert, reizen deshalb auch im nächsten Jahr diverse Messen Augenlust und Portemonnaie - einige routiniert im zweistelligen Jahrgang, andere noch neu auf der Landkarte und um ein eigenes, konkurrenzfähiges Profil bemüht. Selektion heißt da die Devise: noch stärkere, um Qualitätsstandards bemühte Auswahl der Aussteller und interessante Begleitprogramme, um die Sammler zum Kauf zu animieren. Denn auch wenn die Präsentation manchmal darüber hinwegtäuscht - Kunstmessen müssen nicht nur attraktiv, sondern vor allem lukrativ sein.

Den Auftakt bildet die "Art Frankfurt" im Frühjahr (24. bis 27. März), die an ihrer vor zwei Jahren eingeführten Struktur festhält. Neben moderner Kunst von den sechziger Jahren bis heute setzt man hier auf "New Attitudes": junge Galerien und aktuelle Gegenwartskunst. Das zum zweiten Mal stattfindende "Art Kino" zeigt Künstlerfilme und -videos in mediengerecher Präsentation, dazu kommt ein Sonderbereich für Multiples, Editionen und Künstlerbücher. Damit scheint man eine funktionsfähige Nische zwischen Köln und Berlin gefunden zu haben - junge Galerien, Kunst für Einsteiger, und das Ganze in internationaler Besetzung. Rund 190 Aussteller werden im Jahr 2000 bei der Art Frankfurt dabei sein, ein Drittel davon aus dem Ausland.

Zur "Art Basel", die im Sommer (21. bis 26. Juni) zum 31. Mal stattfindet, braucht man hingegen nicht mehr viel zu sagen. Ihr Ruf als beste Messe moderner Kunst ist bekannt und bestätigt sich mit der Auswahl international renommierter Galerien eigentlich jedes Jahr von neuem. Die Standmieten sind horrend, dafür stimmen Qualität der Exponate, Präsentation und Verkaufszahlen. Für diesen fast musealen Überblick über die Gegenwartskunst auf internationalem Niveau nimmt man auch gern in Kauf, dass die ganz jungen unter den Galeristen sich Basel schon rein finanziell nicht leisten können.

Die findet man schon eher in Berlin. Gegenwartskunst, manchmal scheinbar direkt aus dem Atelier in die Messehalle transportiert, bestimmte jedenfalls das diesjährige Berliner "Art Forum", das einst als Konkurrenz zur "Art Cologne" an den Start gegangen war. Im Herbst (29. September bis 3. Oktober) setzt man hier im fünften Jahr unter neuer Leitung die Profilierung als ambitionierte Messe für die Kunst der Neunziger fort. 1999 bewerteten viele Erstligisten unter den Galerien das "Art Forum" allerdings vermutlich als taktisches Heimspiel, blieben zuhause und ließen den Hauptstadtfaktor beinah zum Eigentor wurde: zu viel Kunst aus Berlin, lautete am Ende manche Kritik. Das "Art Forum" 2000 darf sich ruhig etwas wenig zeitgeistverfallen präsentieren, dafür mit mehr internationaler Partizipation.

Die vermeintliche Konkurrenz aus Köln, schon lange erste Liga, startet traditionell im November (5. bis 12. November), und setzt auch sonst mit einer Auswahl von 250 Galerien auf die bewährte Mischung aus Tradition und Fortschritt. Mit einem Spektrum von der klassischen und zeitgenössischen Moderne bis zur aktuellen Gegenwart macht die "Art Cologne" schon seit einigen Jahren nichts falsch. Damit der Risikofaktor "Junge Kunst" in diesem verkaufstechnisch abgesicherten Repertoire dennoch nicht außen vor bleibt, wird bei dem 34. Internationalen Kunstmarkt das Förderprogramm, das 25 jungen Künstlern und Künstlerinnen die Möglichkeit bietet, sich erstmals einem breiten Publikum zu präsentieren, fortgeführt: eine ambitionierte Nachwuchs-Schau mit Namen, die wahrscheinlich schon wenig später die Künstlerlisten der Kuratoren für Gegenwartskunst füllen werden. Auch die Sonderschau "Köln Skulptur" wird es dank regem Zuspruch im Jahr 2000 erneut geben.

Im Bereich der Kunst- und Antiquitätenmesse bildet die Düsseldorfer "art antique" den Auftakt (19. bis 27. Februar), die nächstes Jahr zum dritten Mal stattfindet und sich mit ihrem Angebot vom Altertum bis zur Moderne erst noch einen Namen im nationalen und internationalen Wettbewerb machen muss. Neben den etablierten Größen des hart umkämpften Kunsthandels, das musste die "art antique" diese Jahr spürbar erfahren, hat man es als Newcomer eben nicht leicht.

Dennoch wagt die traditionsreiche Westdeutsche Kunstmesse Köln, die schon seit einiger Zeit an einer klareren Struktur arbeitet, einen Neuanfang und geht mit neuem Namen an den Start: Vom 1. bis 9. April an präsentiert man sich als "Kunst Messe Köln - Internationale Messe für Kunst und Antiquitäten". Mit diesem neuen Namen, einem leicht modifizierten Erscheinungsbild und überarbeitetem Konzept setzt man hier auf eine qualitätvolle Auswahl aus dem Kunst- und Antiquitätenbereich von der Antike bis zur Klassischen Moderne sowie ein gewagtes Kontrastprogramm der "Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen". Parallel zur "Kunst Messe Köln" findet nämlich unter dem gleichen Dach die "Kunstköln 2000" statt, eine neu konzipierte Messe für Editionen, Art Brut und Kunst nach 1960. Damit setzt man bewußt auf jene mit Namen wie Jean Dubuffet verbundene "Outsider"-Ästhetik, die bislang nur bei "Insidern" hoch im Kurs stand. Mit Editionsgrafik und Auflagenobjekten steht überdies ein weiteres Medium im Zentrum, das auf Kunstmessen bislang eher ein Schattendasein führte, ergänzt durch freie Kunst aus dem Zeitraum nach 1960. Ob sich die erwarteten Synergie-Effekte bei diesem Kontrastprogramm einstellen, bleibt abzuwarten - ein spannendes Experiment ist das gemischte Doppel auf jeden Fall.

Die 46. Kunst-Messe München, in diesem Jahr der große Abräumer im Bereich der klassischen Kunst und Antiquitäten, hofft wahrscheinlich auf einen ähnlich goldenen Herbst (20. bis 29. Oktober) und setzt auf opulente Inszenierung und ausgewählte Aussteller auf internationalem Niveau. Mit einem deutlichen Zuwachs an Besuchern und einem breiteren, übersichtlicherem Angebot blickte man hier schon 1999 recht optimistisch in die Zukunft.

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