Kultur : Die wilden Siebziger - Junkies prügeln besser

F. N.

Ende der siebziger Jahre sorgte Rudolf Nadlers Roman "Ter Fögi ische Souhung" in der Schweiz für einen kleinen Skandal. Der Autor schilderte die sexuelle Abhängigkeit des sechzehnjährigen Schülers Beni von dem drogensüchtigen Rockstar Fögi, der ihn schließlich auf den Strich schickt - und der Film war zudem in schweizerdeutscher Mundart inszeniert, die bis dahin eher mit volkstümlicher Dichtung verbunden worden war. Das muss vor allem für Nichtschweizer Zuschauer ein reizvoller Kontrast gewesen sein - das Gefälle von gemütlich anmutender Sprache und ungemütlichen sadomasochistischen Handlungen. Solch ein Kontrast ist auch prinzipiell in das Medium Film übertragbar, vorausgesetzt, man verfügt über genügend Phantasie. Doch Marcel Gisler, der Regisseur beachtlicher Berliner Szene-Filme wie "Schlaflose Nächte" und "Die blaue Stunde", hat sie nicht. Er arbeitet wie immer sorgfältig und leistet damit zu wenig.

Gislers Film kommt ein Vierteljahrhundert zu spät. Die Provokation, die von dem Roman ausging, lässt sich nicht mehr wiederholen. Und was bleibt übrig? Eine starke Leistung von Vincent Brachet als Beni, der immer aufsässiger wird, je mehr sein Idol Fögi den Drogen verfällt. "Der Fögi ist ein Sauhund" setzt auch ein Signal gegen übertriebenen Altruismus und zeigt, wie sehr man einem Menschen schaden kann, wenn man alles für ihn tut. Aber es bleibt im Ergebnis doch ein Film, der mehr Respekt als Begeisterung auslöst.In Berlin nur im Kino Hackesche Höfe

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