Kultur : Die Zahmen von heute

Ordentlich romantisch: „Wo die Liebe hinfällt“

Martin Schwickert

Die Kinder der Hippie-Generation haben es nicht leicht. Wer hält es schon unbeschadet aus, dass Vati und Mutti eine wildere Jugend hatten als man selber? Während die Alten in den Siebzigern die freie Liebe predigten und praktizierten, ringen ihre Kinder mit Aids-Paranoia und Etablierungsstress. Sarah Huttinger (Jennifer Aniston) ist eine typische Vertreterin ihrer Generation. Ein mittelprächtiger Job als Nachrufschreiberin bei der „New York Times“. Ein langjähriger Liebhaber, dessen Heiratsantrag zur Bearbeitung ansteht. Keine Zukunftspläne – und das vage Gefühl, dass die familiäre Vergangenheit sie einholen könnte.

Sarah ist sehr behütet in Pasadena aufgewachsen. Aber auch an dieser spießigen Vorstadt von L.A. ist die sexuelle Revolution nicht spurlos vorbeigegangen. Schließlich siedelte dort Mike Nichols „Die Reifeprüfung“, in dem der junge Dustin Hoffman mit Mrs. Robinson und deren Tochter Unzucht trieb. In der Nachbarschaft kursiert das hartnäckige Gerücht, dass die Geschichte auf wahren Begebenheiten beruhte. Als sich Sarahs Oma (Shirley MacLaine) als die wahre Mrs. Robinson outet, ist die Krise der Mittdreißigerin perfekt. Sie macht sich auf die Suche nach ihrem vermeintlichen Erzeuger Beau Burroughs (Kevin Costner), der sich vom Romanautor zum Internet-Millionär gemausert hat. Dass Sarah mit demselben Mann im Bett landet, der schon mit ihrer Mutter und Großmutter geschlechtsverkehrte, trägt wenig zur Entwirrung ihrer Psyche bei.

Rob Reiners „Wo die Liebe hinfällt“ ist eine ordentliche romantische Komödie, der man noch mehr Mut zur Hysterie wünschen würde. Zu sehr klebt der Film an Jennifer Aniston, die dauernd ihr Grübchenlächeln lächeln, die Stirn verzweifelt runzeln und den Mund beleidigt schmollen lassen darf. Costner hingegen entwickelt eine unaufdringliche Süffisanz, mit der er sein Image als Womanizer ironisiert. Alles in den Schatten stellt die wunderbare Shirley MacLaine. Ihre prägnanten Auftritte zeigen, woran es den Nachahmungsversuchen der guten, alten Screwball-Comedy fehlt: an handwerklicher Präzision, sicherem Timing und an Schauspielerpersönlichkeiten, die nicht nur nach konsensfähigen Schönheitsidealen ausgesucht werden.

In 17 Berliner Kinos; Originalfassung im Cinestar SonyCenter

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