Kultur : Die Zeitgenossin

Berlins neue Kulturstaatssekretärin Barbara Kisseler stellt sich vor

Carsten Niemann

Berlin hat eine neue Kulturstaatssekretärin: Am 15. August wird die parteilose Barbara Kisseler ihr neues Amt antreten, gestern stellte sich die bisherige Leiterin der Abteilung Kultur im Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur in Berlin der Presse vor. Kein ungünstiger Zeitpunkt, wie die 53-Jährige meint, trotz Finanznotstand und Zittern um die Opernreform. Was sei schon ein günstiger Moment: „Wenn alle Probleme gelöst sind? Dann braucht man mich nicht mehr.“ Gebraucht wird Barbara Kisseler von der Kulturverwaltung als Persönlichkeit, die Erfahrungen im Kulturbereich mit handfesten Verwaltungskenntnissen verbindet.

Vier Jahre Kulturamtsleitung im nordrhein-westfälischen Hilden, sieben in Düsseldorf und zuletzt neun Jahre im Ministerium in Hannover waren gewichtige Argumente für die Frau, die zwischen Verwaltungsreform und Verteilungskämpfen für Kontinuität und sachorientierte Auseinandersetzung sorgen will: Zwei von drei niedersächsischen Staatstheatern hat sie immerhin schon auf dem Weg zur GmbH begleitet. An lokaler Bodenhaftung kann es Kisseler trotz langjähriger Zweitwohnung in Berlin zwar nicht mit ihrer Vorgängerin Christa Tebbe aufnehmen. Dafür hat sie bundespolitische Höhenluft geschnuppert. Und sie weiß, wann man erwähnen sollte, dass sich Gerhard Schröder als Ministerpräsident für die Sanierung der Untermaschinerie der Staatsoper in Hannover eingesetzt hat.

Ambitioniert, aber mit Bodenhaftung wirkt Kisseler, die in Köln Theater- und Filmwissenschaften, Germanistik und Pädagogik studierte. Neben der Opernstrukturreform nennt Kisseler als Herausforderungen eine intensive Beschäftigung mit Berliner Kulturwirtschaft und Kulturmarketing, die Optimierung von Betriebsabläufen unter Berührung des heißen Eisens Tarifwirrwarr sowie ein (gemeinsames) Umdenken der Kultur im Verhältnis zum (jüngeren) Publikum.

Dieser letzte Punkt lockt Kisseler auch ein wenig mehr aus ihrer diplomatisch abwartenden Reserve. „Wir laufen Gefahr, unser künftiges Publikum zu verlieren“, und: „Unsere Theater müssen ihre Zeitgenossenschaft behaupten!“

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