Die Zukunft des Kulturforums : Was die Brache braucht

Was das Kulturforum braucht, ist ein ganztägig geöffnete Restaurant im neuen Museum des 20. Jahrhunderts. Sonst ist dem Areal nicht zu helfen.

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Kulturstaatsministerin Monika Grütters mit dem Modell des Kulturforums. Hinter ihr: Arno Lederer (l), Vertreter des Preisgerichts, Senatsbaudirektorin Regula Lüscher und Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.
Kulturstaatsministerin Monika Grütters mit dem Modell des Kulturforums. Hinter ihr: Arno Lederer (l), Vertreter des Preisgerichts,...Foto: dpa

Viele, sehr viele Menschen drängen sich am Sonntag vor den Modellen für das Museum des 20. Jahrhunderts. Es ist der letzte Tag, an dem die 460 Entwürfe noch zu sehen sind, die für die erste Phase des Architekturwettbewerbs eingereicht wurden. Ort der Präsentation ist jener Gebäudekomplex, den die Staatlichen Museen Kulturforum nennen, das gemeinsame Foyer Gemäldegalerie, Kupferstichkabinett und Kunstgewerbemuseum. Der Volksmund bezeichnet damit gern die gesamte Fläche zwischen Landwehrkanal und Potsdamer Platz, jene Brache, die der Museumsneubau ab 2022 zur innerstädtischen Agora adeln soll.

So jedenfalls erhofft es sich Kulturstaatsministerin Monika Grütters, die im Bundestag die 200 Millionen Euro für das Museum locker gemacht hat. Ein Blick auf die Entwürfe allerdings macht da wenig Hoffnung. Da wird zwar oft eine Blickachse zur Gemäldegalerie gelegt, da gibt es immer wieder den Vorschlag eines unterirdischen Verbindungsgangs zur Neuen Nationalgalerie – der Philharmonie aber zeigen fast alle Baukörper die kalte Schulter. Dabei wäre es für eine bessere Aufenthaltsqualität wichtige, dass die Scharoun-Säle einbezogen werden. Essentiell für jeden Vitalisierungsversuch ist ein Museums-Restaurant, das auch abends geöffnet ist und die Klassikfans vor wie nach dem Konzert zum Verweilen einlädt.

Wer sich dicht über die Grundrisse beugt, kann die Flächen identifizieren, die die Architekten für die Nahrungsaufnahme vorgesehen haben. Winzige Eckchen sind das, mit ein paar Tischen, nicht der Rede wert. Hier muss, wenn es an die Ausschreibung des Hauptwettbewerbs im Sommer geht, der Bauherr dringend nacharbeiten. Denn das Restaurant des Neubaus wird das einzige am Kulturforum sein. In der Philharmonie verhindert der Denkmalschutz jeden Gedanken an ganztägig betriebene Gastronomie, in der renovierten Nationalgalerie wird es – auch da hat der Denkmalschutz sich durchgesetzt – wieder nur das fensterlose Kellerloch-Café geben. Und das Verzehr-Areal oberhalb der Gemäldegalerie, ein Ort mit Ikea-Abfütterungshallen-Charme, liegt im totesten Winkel des tristen Geländes.

Die Stadtplaner brauchen nur einen Blick nach Amsterdam zu werfen: Im futuristischen Anbau des Stedelijk Museum wurde für das Restaurant das halbe Erdgeschoss reserviert: Die Bude brummt, morgens, mittags, abends. Hungrige Kunstfreunde kehren hier ebenso ein wie Shopping-Bummler und Besucher des Concertgebouw vis-à-vis. Auch in Berlin gibt es diese Leute zuhauf, in Sichtweite. Das Museum des 20. Jahrhunderts an ihnen vorbei zu planen, wäre ein fataler Fehler.

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