Kultur : Die Zukunft kann warten

Am Donnerstag startet die Berliner Opernstiftung – lautlos

Frederik Hanssen

Als das Berliner Parlament am 11. Dezember endlich das Gesetz zur „Stiftung Oper in Berlin“ verabschiedete, mag Kultursenator Thomas Flierl mit Brecht geseufzt haben: „Der Vorhang zu und alle Fragen offen.“ Denn nach dem Beschluss des Abgeordnetenhauses kann die Stiftung zwar am 1. Januar offiziell starten – ändern wird sich in der hauptstädtischen Musiktheaterlandschaft aber erst einmal nichts. Zumindest nicht für das Publikum. Bis nämlich ein Generaldirektor gefunden ist, der als oberster Diplomat die Aktivitäten der selbstbewussten Häuser zum Wohle der Dreiheit von Staatsoper, Deutscher Oper und Komischer Oper koordiniert, können die Intendanten noch weiterplanen wie gewohnt. Im ersten Quartal 2004 will der Senator seinen Kandidaten (oder die Kandidatin) für den Posten präsentieren.

Der Generaldirektor ruft dann den Stiftungsvorstand zusammen, der aus den Intendanten und Geschäftsführenden Direktoren der Häuser sowie den – noch zu benennenden – Chefs der neuen autonomen Balletttruppe und der Bühnenservice GmbH besteht. Für das zweite Stiftungsgremium, den sogenannten Rat, der den Vorstand kontrolliert und in Streitfällen schlichtet, müssen neben den Senatoren für Kultur und Finanzen sowie einem Personalvertreter vier Mitglieder durch das Abgeordnetenhaus bestimmt werden.

Sitzen die Damen und Herren dann zusammen, können sie mit der Beratung über ihre Stiftungssatzung beginnen. Diese soll die Aufgabenteilung zwischen der Stiftung und ihren fünf Betrieben regeln. Als erste Amtshandlung darf der Vorstand parallel in Verhandlungen mit der Senatskulturverwaltung über den fünfjährigen Zuwendungsvertrag treten, der wiederum vom Abgeordnetenhaus gebilligt werden muss. Die Parlamentarier werden darauf achten, dass die Bühnen nicht nur ihren Willen zur detaillierten Spielplanabsprache bekunden, sondern dass gleichzeitig auch ein gemeinsames Marketingkonzept vorgelegt wird.

Am ersten Tag ihres Bestehens zeigt sich die Berliner Opernstiftung übrigens von ihrer allerbesten Seite: Alle Vorhänge sind offen, an der Deutschen Oper dirigiert Christian Thielemann „Die Frau ohne Schatten“, an der Staatsoper leitet Daniel Barenboim Beethovens Neunte, und die Komische Oper lädt sogar gleich zweimal zum Neujahrskonzert.

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