Kultur : Die zweite Chance

Grauer Panther des Actionkinos: Bruce Willis im Polizeifilm „16 Blocks“

Christian Schröder

Auch Helden werden irgendwann müde. Bruce Willis musste seit den achtziger Jahren immer wieder die Welt retten. In der „Die-Hard“-Trilogie spielte er einen New Yorker Polizisten, der es locker mit ganzen Kleinarmeen von Gangstern und Terroristen aufnahm. Willis war wortkarg und sehr sexy, in Filmen wie „Last Man Standing“ oder „The Fifth Element“ variierte er erfolgreich sein Rollenfach des hartgesottenen Einzelkämpfers. Spätestens mit seiner Hauptrolle in „Pulp Fiction“ stieg er zum coolsten Mann auf diesem Planeten auf. Danach konnte es eigentlich nur noch bergab gehen.

Sein letzter großer Film war der Mystery-Thriller „The Sixth Sense“, der 1999 in die Kinos kam. Es folgten belanglose Komödien wie „Bandits“, eher enttäuschende Versuche als Charakterdarsteller wie in „Hart’s War“ und einige Gastauftritte wie in „Ocean’s Twelve“ oder zuletzt in „Sin City“. Inzwischen ist Bruce Willis 51, zu alt, um noch im blutverschmierten Unterhemd durch Fensterscheiben zu springen. Trotzdem hat er jetzt wieder einen Actionfilm gedreht. In „16 Blocks“ verkörpert er noch einmal einen New Yorker Cop, aber von der Virilität seines Helden aus den „Die-Hard“-Filmen ist erst einmal nichts zu erkennen. Dieser Detective Jack Mosley sieht exakt so aus, wie man sich einen New Yorker Bullen mit Anfang 50 vorstellt: ergrauter Schnauzbart, schüttere Haare, Bierbauch und Stiernacken.

In der ersten Einstellung schleppt sich Mosley eine Treppe hoch, die Krawatte hängt schief, er ächzt und schwitzt stark. Das Leben hat den aufgedunsenen Detective verschlissen, er ist schwerer Alkoholiker. In seiner Schreibtischschublade liegt stets griffbereit eine Whiskyflasche, die Vorgesetzten geben ihm nur noch Routineaufgaben. Er muss den schwarzen Kleinkriminellen Eddie Bunker, gespielt von Hip-Hop-Star Mos Def, aus seiner Zelle im Polizeipräsidium zum Gerichtsgebäude begleiten, wo der vor einem Untersuchungsausschuss aussagen soll. Das Gericht liegt 16 Häuserblöcke vom Präsidium entfernt, eigentlich ein Katzensprung. Doch daraus wird ein Höllenritt. In dem Ausschuss geht es um Korruption bei der New Yorker Polizei, Eddies Aussage würde ausgerechnet einen alten Freund von Jack aus dem Morddezernat (schön fies: David Morse) belasten. Deshalb soll der Zeuge liquidiert werden.

Der von Action-Routinier Richard Donner („Superman“, „Lethal Weapon“) angenehm altmodisch inszenierte Thriller zeigt einen gefallenen Helden, der sich im entscheidenden Moment für die richtige Sache entscheidet. Für Bruce Willis ist „16 Blocks“ das ideale Vehikel für ein Comeback. Er wird – genau wie Mosley – immer noch gebraucht: als eine Art grauer Panther des Blockbusterkinos. Er mag jetzt dünnere Haare haben und langsamer geworden sein, aber er hat sie immer noch drauf, die alten Tricks. Sobald er Gefahr wittert, erwachen die Instinkte. Die eben noch schwammigen Gesichtszüge des Trinkers verhärten sich, seine Augen blitzen energisch. Bruce Willis bleibt unbesiegbar.

Es gibt einige wunderbar choreografierte Actionszenen in „16 Blocks“: Schusswechsel im Menschengewimmel von Downtown Manhattan, eine Flucht durch die Kellergewölbe von Chinatown, Verfolgungsjagden mit einem Autobus. „Kein Mensch ändert sich“, sagt Mosley zu Eddie, der ihn mit seinem Redeschwall auf die Nerven geht. Aber „16 Blocks“ zeigt, dass Menschen sich ändern können. Mosley kann aufhören zu trinken, Eddie beginnt ein neues, nicht kriminelles Leben. Als die Explosionen und das Geballere verstummt sind, singt Barry White „Can’t Get Enough of Your Love, Babe“. Bruce Willis hat übrigens gerade „Die Hard 4.0“ abgedreht. Der Kampf geht weiter.

In 14 Berliner Kinos; Originalfassung im Cinestar Sony-Center

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