Kultur : Dienstmädchen-Report

CHRISTINE WAHL

Hinter dem schwer einzuordnenden Dramentitel "Ach, du liebe Anna" verbirgt sich der Report einer Wiener Magd: Antriebsschwach wischt die "liebe Anna" über Brotbüchsen und Küchenböden, um uns währenddessen in ihre eigene Biographie und die ihrer Arbeitgeberin einzuweihen.Grundlegendes erfahren wir über frühes Kinderkriegen und einen wegen Trunkenheit der Erwerbslosigkeit anheimgefallenen Gatten, der schließlich besoffen Motorrad und sich bei dieser Gelegenheit zu Tode fuhr.Später theoretisiert die Bedienstete - ihre Chefin ist eine bejahrte Burgtheater-Schauspielerin - über Diven als verkappte Prostituierte.Bei alledem ist der Horizont der "lieben Anna" zwischen Kronen-Zeitung, Fernseher, Ausländerfeindlichkeit und Bauernschläue angesiedelt; und der intendierte Witz des Putzfrauen-Berichts speist sich vornehmlich daraus, daß wir erfahren, wie Anna der Hauskatze kurzerhand das Genick brach.Außerdem werden wir Zeugen, wie die "liebe Anna" dem Kaffee der "Gnädigen" eine Dosis Valium beimischt - auf daß jene tagsüber "net so grantig" sei.Mit anderen Worten: Das als "schwarze Wiener Komödie" untertitelte Stück von Verena Kanaan, das der Regisseur (und Maler) Veit Relin im Meistersaal in ganz und gar gegenständlichem Küchen-Ambiente inszeniert hat, ist von eher angegrautem Humor.Und entsprechend schlaff kriecht das "Furioso für eine spielfreudige Schauspielerin" trotz seiner Kürze dem erahnten Finale entgegen.An der "spielfreudigen Schauspielerin" indes mangelt es nicht: Eva Manhardt ist tatsächlich in der Lage, dem Stück eine gewisse Dramatik, Absurdität und Differenziertheit abzugewinnen.Die "spielfreudige Schauspielerin" hat nämlich eine Doppelrolle zu bestreiten: Nachdem die Akteurin in Gestalt der Putzfrau zum Einkaufen abgetreten ist, sitzt "die Gnädige" im zweiten Teil selbst am biederen Küchentisch.Von der elitären Diva erfahren wir unter anderem, daß sie ihre Angestellte erstens für eine Schlampe und zweitens für eine "echte Horvßth-Figur" hält; nur Überraschendes fördert dieser Perspektivwechsel nicht zutage: Irgendwann liegt die "Gnädige" (das Valium!) reglos vor der Spüle, und alles ist hin.

Weitere Vorstellungen am 17.1.sowie vom 4.bis 7.und 24.bis 27.2., um 20 Uhr.

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