Kultur : Dies Vorbild ist bezaubernd schön Der Götz-Friedrich-Preis für junge Regisseure

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Mit seinem Musiktheater hat Götz Friedrich eine ganze Generation geprägt, und zwar sowohl auf der Seite der Zuschauer wie auf der Seite der Macher: Schließlich sind da nicht nur seine Regie-Großtaten als junger Mann an der Komischen Oper sowie in den 19 Jahren als Intendant der Deutschen Oper Berlin. Nein, als Leiter des Studiengangs Musiktheater-Regie in Hamburg, den er 1973 zusammen mit August Everding begründete, hat er vielen jungen Menschen sein Wissen über das Inszenierungshandwerk weitergegeben. 1995, fünf Jahre vor seinem Tod, gründet er zudem mit Freunden eine Stiftung zur Förderung des Nachwuchses: Aus den Zinsen wird der mit 5000 Euro dotierte Götz-Friedrich-Preis finanziert.

Für drei Stückdeuter, die mittlerweile bei den Staatstheatern hoch im Kurs stehen, brachte die Auszeichnung einen nachhaltigen Karriereschub mit sich: Sebastian Baumgarten wurde 2001 für seine Kasseler „Tosca“ ausgezeichnet, Stefan Herheim 2003 für seine „Puritaner“ in Essen und Benedikt von Peter 2007 für seinen Heidelberger „Chief Joseph“. Weil Newcomer die Chance zu ersten Regiecoups ja fast immer an den kleinen und mittleren Häusern bekommen, reist die Jury bei ihrer Suche nach Neuentdeckungen viel durchs Land.

Diesmal wurden sie in Köln fündig: Benjamin Schad wird für die Deutung von Benjamin Brittens „Turn of the Screw“ ausgezeichnet. Bei der Preisverleihung am Sonntag in der Deutschen Oper wird der englische Komponist auch musikalisch präsent sein. Saskia Kuhlmann, seit drei Jahren Geschäftsführerin der Stiftung, hat Martin Häßler gewinnen können, einen jungen Bariton, der ihr beim Bundeswettbewerb Gesang 2010 aufgefallen war.

Neben dem Hauptpreis wird seit zwei Jahren auch noch eine von der Gasag gestiftete Auszeichnung für Kindermusiktheater, experimentelles Musiktheater und Kammeroper vergeben. Tabea Kranefoed überzeugte die Jury mit ihren „Bremer Stadtmusikanten“ bei den Erfurter Domstufenfestspielen. Die Preisträger des vergangenen Jahres hat sich übrigens ausgerechnet die schärfste Konkurrentin von Götz Friedrichs Stammhaus geschnappt, nämlich die Berliner Staatsoper: Elmar Supp arbeitet dort als Studienleiter, Eva-Maria Höckmayr bringt im März in der Werkstatt des Schillertheaters Manfred Stahnkes „Wahnsinn, das ist die Seele der Handlung“ nach Edgar Allan Poe heraus. Frederik Hanssen

Preisverleihung am Sonntag um 11 Uhr in der Deutschen Oper. Eintritt frei.

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