Kultur : Diese Woche auf Platz 100 Missy Elliott:

„Under Construction“

Ralph Geisenhanslüke

HITPARADE

Die deutsche Hitparade ist fest in männlicher Hand: Angeführt von Eminem, der im Sog von „8 Mile“ sein Gesamtwerk noch einmal flächendeckend platziert. Eminem steht mit vier Titeln in den Top 100. Genau wie Robbie Williams, dessen „Escapology“ ebenfalls noch einmal diverse Alt- und Nebenprodukte nach oben wuchtete. Neben Robbie (früher bei Take That) sind derzeit verschiedene Boy-Group-Knilche ohne den schützenden Zusammenhalt ihrer Rotte unterwegs: Justin Timberlake (N’Sync), Ronan Keating (Boyzone) und Nick Carter (Backstreet Boys) haben beschlossen: Wir lassen uns nicht mehr per Telefon rauswählen. Vielleicht fallen sie ja in die Grube, die Missy Elliott am unteren Ende der Verkaufsliste aushebt.

Missy Elliott, die feministische Hoffnung des HipHop, hat mit „Under Construction“ in Deutschland nicht viel Glück gehabt. Gerade mal auf Platz 19 kam sie, fiel zwischendurch schon ganz raus und darf momentan gerade noch das Schlusslicht an- und ausknipsen. Dabei täte das Elliottsche Verständnis von Arbeit den Deutschen gerade gut. In „Work It“ erkundigt sich Missy Elliott nach physiognomischen Eigenheiten ihres Gegenüber (diese werden akustisch dargestellt durch ein Elefanten-Sample wie aus einem Tarzan-Film) – und schildert dann, wie sie weiter vorgehen möchte. Auch die delikaten Beats ihres Partners Timbaland gewähren, dass bei diesem Titel niemand arbeitslos bleibt.

Missy Elliott produzierte Songs für Janet Jackson, Whitney Houston oder Ex-Spice Girl Mel B. Sie gilt mit eigenem Label und vollständiger Kontrolle über ihre Geschäfte als Powerfrau. Doch jahrelang wurden Berichte über sie mit Sottisen über ihren Hüftumfang gewürzt. So, als müsste Mann ihren musikalischen Rang damit relativieren, dass sie nicht aussieht, wie eine der üblichen String-Tanga-Miezen, die im Video ihre Dinger schütteln. Neue Fotos zeigen nun, dass Missy auch an ihren Ernährungsgewohnheiten gearbeitet hat. Das wäre nicht nötig gewesen: Wer arbeitet, soll auch essen. Und in den Charts – siehe oben – gibt’s eine Menge zu tun.

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