Kultur : Diese Woche auf Platz 11 Der Herr der Ringe Die zwei Türme

Ralph Geisenhanslüke

HITPARADE

Musik für Kinofilme ist ein Spielball des Marketings. Einige dieser Auftragswerke wurden Klassiker. Außerdem kann es geschehen, dass ein Song und ein Film gemeinsam ein Gefühl auf den Punkt bringen, wie etwa „Born Slippy“ von Underworld.

Der häufigere Fall aber ist folgender: Spielt ein Film beispielsweise in den Sechzigern, wird gnadenlos alles zusammengekauft, was irgendwie in diesen Zusammenhang passen könnte und möglichst noch die Kampagne des Bier-Sponsors berücksichtigt: Das Ergebnis klingt wie ein Berliner Dudelsender zur Prime Time.

Was Howard Shore macht, steht auf ganz anderen Blättern – Notenblättern. Shore komponiert aufwändige Orchesterstücke. Er ist dabei kein Vereinfacher und Disneyfikator wie Hans Zimmer, sondern jemand, der durch ein Orchester navigiert wie durch aufgewühltes Meer. Shore hat über 50 Filme mit Musik versorgt, darunter „Schweigen der Lämmer“, „Seven“ und die verwirrenden Werke seines kanadischen Landsmanns David Cronenberg, dessen Leib- und Magenkomponist er ist. Wer die Klangfarben von „eXistenZ“ und „Herr der Ringe“ vergleicht, wird die Handschrift erkennen.

Der Soundtrack zum zweiten Teil der „Ring“-Trilogie ist alles anderes als ein ausgefinkeltes Marketing-Ding. Nicht einmal eine Hit-Single gibt es, wie für das den ersten Teil von Enya gesäuselte „May It Be“. Nur zurückhaltende Gesangsnummern von eher unbekannten Stimmen: Sheila Chandra, die grandiose Inderin, Elizabeth Frazer, früher Sängerin der Cocteau Twins und Emiliana Torrini, die anstelle von Björk den „Gollum=92s Song“ übernahm. Die CD, ein eher sperriges Hörerlebnis, besteht überwiegend aus Breitwand-Orchesterstücken – und steigt trotzdem weiter in den Charts. Es gehen eben nicht nur Lämmer in den Plattenladen.

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