Kultur : Diese Woche auf Platz 11 Santana:

„Shaman“

Ralph Geisenhanslüke

HITPARADE

Ein Schamane, so schreibt der Brockhaus, „versetzt sich mithilfe der Schamanentrommel, durch andauernden Tanz, das Klingeln von am Gewand befestigten Glöckchen und Metallstückchen sowie durch Einnahme von Rauschmitteln in einen Trancezustand, in dem er eine Seelenreise unternimmt und sich mit Geistern in Verbindung setzt“. Von Carlos Santana ist bekannt, dass er früher diversen Stimulanzien zusprach, aber an seinem Gewand war immer nur ein Ding befestigt: seine Gitarre.

Zu den Geistern sprach er damit gleichwohl – und er ward erhört. Sein letztes Album „Supernatural“ beendete eine längere santanafreie Phase in den Charts. Es wurde 25 Millionen Mal verkauft und mit neun Grammys ausgezeichnet. Zu verdanken hatte Carlos Santana diese Wiedergeburt nicht allein seinem Produzenten und Hit-Motor Wyclef Jean. Santana war auf eine freundliche, hippiemäßige Art der Alte geblieben und verbreitete in Interviews die alten Eso-Thesen.

In den Augen des Meisters war „Supernatural“ nur ein Ausschnitt aus dem kontinuierlichen Soundtrack seines Lebens. Aber das Publikum des kalten neuen Jahrtausends erwärmte sich an seinem Klang. „Shaman“, der Nachfolger, beweist, dass Santana den Gedanken mit dem Kontinuum ernst meinte. Schmuckloser und hitfreier kann ein Album kaum daherkommen. Auf Radio-Einsatz getrimmte Songs wie „The Game Of Love“, die die Grenze zur Fahrstuhlmusik freimütig überschreiten. Auch Placido Domingo singt für die Edelkitschnummer„Novus“ nicht gerade santanische Verse.

Kein Wunder, dass Santana schon in der siebten Woche auf Platz 25 fiel. Diese Woche ist er wieder auf 11 geklettert. „Shaman“ wird übermorgen wohl unter manchem Baum liegen.

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