Kultur : Diese Woche auf Platz 13 Dick Brave

„Dick This!“

Ralph Geisenhanslüke

HITPARADE

Cover-Versionen funktionieren normalerweise so: Ein bekanntes Stück wird mit unerwarteter Bedeutung aufgeladen. Etwa durch eine Interpretation, die neue Inhalte freilegt. Kürzlich hat Ryan Adams den Oasis-Gassenhauer „Wonderwall“ als anrührende Ballade veröffentlicht. Vermutlich haben manche Leute ohne den Lärm drum herum zum ersten Mal den Text richtig verstanden. In den Achtzigerjahren gab es einen Kult von gegen den Strich gebürsteten Cover-Versionen. Laibach spielten „Sympathy For The Devil“, die Residents zogen Hank Williams oder Ray Charles in ihre psychedelische Gruft. Und die Kraftwerk-Bearbeitungen von Señor Coconut oder dem Balanescu Quartet aus den Neunzigern gehören natürlich in jeden gut sortierten Haushalt.

Das Gros der Coverversionen aber folgt einem simplen Schema: Man nehme einen Klassiker und schraube einen Techno- oder HipHop-Beat drunter – und fertig ist die Recycling-Laube. So wie bei der Kirmes-Proll-Ausführung von „Because The Night“, verantwortet von einem norddeutschen Land-DJ names Jan Wayne, um nur ein Beispiel aus dem zeitgenössischen Monstrositätenkabinett zu nennen. Dick Brave hat die Sache andersrum angepackt. Er nahm moderne Stücke und steckte sie in ein historisches Gewand: den Rockabilly. Schon der Opener „Get The Party Started“ von P!nk ist eine hübsche Travestie mit Walking Bass und Honky-Tonk-Piano. „Walk This Way“, das Aerosmith schon einmal selbst als HipHop-Version mit Run DMC reanimiert haben, klingt so munter, dass es beinah von den Stray Cats stammen könnte. Es folgen: „Give It Away“ von den Red Hot Chili Peppers oder „Freedom“ von George Michael.

Überraschend ist der Ober-Teddy-Boy selbst: Dick Brave stammt nicht, wie er launig behauptet, aus Vancouver/Kanada, sondern aus Soest/Westfalen. Er heißt in Wahrheit Sasha Schmitz – kurz Sasha. Einer seiner Erfolge als Teenie-Star hieß „Surfin’ On A Backbeat“. Got it? Bevor er berühmt wurde, spielte Herr Schmitz mit seiner Band Chili Peppers und Nirvana nach. Hier zieht er die Rockabilly-Show konsequent durch, mit Tolle und Ami-Schlitten. Herrn Schmitz sind auf diese Weise nicht nur kurzweilige Cover-Versionen gelungen, sondern auch eine Neu-Interpretation seiner selbst: als respektabler Musiker.

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