Kultur : Diese Woche auf Platz 13 „Kill Bill Vol. 1“

Ralph Geisenhanslüke

HITPARADE

75 bis 100 Stück pro Woche – so viele Exemplare werden momentan von Nancy Sinatras letztem Album in Deutschland verkauft. Entgegen nahe liegenden Erwartungen hat der Soundtrack zu „Kill Bill Vol. 1“ Frankie Boys Tochter bislang nicht zu einem Revival verholfen. Der wehmütige Song „Bang Bang (My Baby Shot Me Down)“ eröffnet äußerst stilvoll Quentin Tarantinos leider weniger stilvollen neuen Film. „Bang Bang“ zählt nicht zu Nancy Sinatras kanonischen Werken, wie sie seit Jahrzehnten auf unzähligen Best-Of-CDs verfügbar sind. Auf so einen Song kommt nur jemand, der tiefer gräbt. Quentin Tarantino scheint ebenso viel Zeit vor seiner Stereo-Anlage zu verbringen wie vor seinem Videorekorder. Er produziert seine Soundtracks selbst und hat sogar eine Plattenfirma dafür gegründet. Legendär wurden Tarantinos Compilations nicht nur wegen geschmackssicher zusammengestellter Raritäten, sondern auch weil sie nicht – wie sonst in Hollywood - die Musik zum Film zum Turnschuh zum Softdrink sind. Aus ihnen spricht der Musikliebhaber. Einer, der seine Schätze aus dem Regal zieht und den unerklärlichen Drang verspürt, sie anderen vorzuspielen. Nach „Pulp Fiction“ gab es eine kleine Surf-Sound-Mode, nach „Jacky Brown“ kamen Klassiker von Bobby Womack und Bill Withers zu neuen Ehren. Und diesmal? Geht natürlich ein Lacher durch den Saal, wenn vor einer entscheidenden Metzelei Gheorghe Zamfir in seine Panflöte pustet oder Santa Esmeralda inständig darum bittet, nicht missverstanden zu werden. Dann sind die Handclaps, die jahrzehntelang das Tor des Monats in der „ARD-Sportschau“ begleiteten, wieder salonfähig. Kill Bill sei ein brutaler Film, hat Tarantino in Interviews gebetsmühlenartig wiederholt, aber es handele sich um einen Tarantino-Film. Man gehe schließlich auch nicht auf ein Metallica-Konzert und beschwere sich über die Lautstärke. Solang Tarantino Nancy Sinatra Metallica vorzieht, bleibt Hoffnung für ihn.

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