Kultur : Diese Woche auf Platz 15 Shaggy:

„Hey Sexy Lady“

Ralph Geisenhanslüke

HITPARADE

Einem hartnäckigen Vorurteil zufolge besteht deutsche Volksmusik vorwiegend aus Schuhplattlern und Egerländer Mutanten. Die aktuelle Lage in den Charts dürfte dies widerlegen. Der Deutschen liebste Musik ist derzeit Jammer und Nörgeln, kurz: J’n’N. Die Single-Version von Elmar Brands „Steuersong“ steht seit vier Wochen auf Platz 1, und das Album mit weiteren Stammtischwitzen in Liedform ging von null auf vier. Der offizielle Soundtrack der Bundesrepublik hingegen ist zurzeit die „Kakophonie“. Diese Formulierung, zuerst vom „Spiegel“ benutzt, setzte sich sofort im allgemeinen Sprachgebrauch fest. „Kakophonie“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Missklang“.

Missklänge produziert seit langem und mit wachsender Freude auch der Showmaster Stefan Raab. Statt den Kanzler imitieren oder zu sampeln, hat Raab für seine aktuelle Single den Grünen-Politiker Ströbele verwendet.

Ströbele selbst wollte erst juristisch dagegen vorgehen, fand dann den Song „Gebt das Hanf frei“ (Platz 14) doch gut und besuchte stattdessen Raabs Sendung. So einfach geht das. Als Gastvokalisten verpflichte Raab übrigens keinen Geringeren als Shaggy, der ebenfalls wirklich kam und sang. Mit seiner eigenen Single „Hey Sexy Lady“ steht Shaggy derzeit einen Platz hinter Raab.

Shaggy, dessen Verkäufe letztes Jahr in den USA nur von denen der Beatles übertroffen wurden, ist ein Poet der großen Geschlechtsteile, der mit tiefer Stimme die Freuden des Liebesspiels preist. Damit hat er normalerweise besonders bei Frauen Erfolg. Shaggy ist eben kein Mann für nur einen Hit.

Doch seine aktuelle Position beweist: Dauerndes Nörgeln und Jammern tötet auch den letzten Funken Lust.

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