Kultur : Diese Woche auf Platz 17 Michael Andrews

„Mad World“

Ralph Geisenhanslüke

+HITPARADE

Der junge Mann mit der Schiebermütze heißt Gary Jules. Gary ist sehr traurig, denn er sieht die Welt aus der Sicht eines kleinen Jungen. Und der versteht diese Welt nicht mehr. Auch seine Träume weisen ihm keinen Ausweg. „Die Träume, in denen ich sterbe, sind die besten“, singt er und spätestens in diesem Moment werden die ersten Augen feucht. „Mad World“ ist ein echter Taschentuchsong. Kein Wunder, dass er einer Band namens Tears For Fears zum Durchbruch verhalf.

Das war vor mehr als 20 Jahren. Warum hören wir „Mad World“ jetzt dauernd und überall? Wie schafft es diese Neueinspielung, die den Regeln sämtlicher Radioformate trotzt, sich langsam aber sicher in den Ohren fest zu fressen? Vielleicht weil sie leise ist. Weil sie Gefühle ausdrückt, die viele Menschen verspüren, die aber überhört werden im Getöse der Medien, des Marktes, und wer da noch so alles lärmt. Drei Minuten Innehalten. Einfach ein Klavier und eine Stimme hören. Welch ein Luxus.

Die „Mad World“-Version von Michael Andrews und Gary Jules hat einige Umwege hinter sich. Jule, nahm „Mad World“ mit seinem Freund Andrews für den Soundtrack eines Films auf. „Donnie Darko“, so heißen der Film und seine Hauptfigur, ein kleiner Junge, der von einem dämonischen Riesen-Hasen erfährt, dass in 28 Tagen die Welt untergeht. Natürlich glaubt ihm niemand. „Donnie Darko“ lief nur sehr kurz in amerikanischen Kinos. Der Film wurde nach dem 11. September 2001 aus dem Programm genommen, weil es darin eine Szene gibt, in der ein Flugzeugtriebwerk auf ein Einfamilienhaus fällt. In Deutschland ist der Film nur auf DVD erhältlich.

Aus unerklärlichen Gründen begannen britische Radiosender im Dezember „Mad World“ massiv zu spielen. Vielleicht war es die sentimentale Weihnachtszeit, vielleicht der Schock der Attentate von Istanbul. Gründe, sich an einem Song festzuhalten gibt es jeden Tag mehr als genug. Schon vor einigen Wochen drang die Nachricht auch nach Deutschland: Auf Platz eins der britischen Hitparade stand ein unbekannter amerikanischer Liedermacher mit einem Abschluss in englischer Literatur, der einen alten Song von Tears For Fears sang. Nun will er das auch in Deutschland tun. Manchmal muss man einfach darauf hören, was die Hasen sagen.

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