Kultur : Diese Woche auf Platz 23 Norah Jones

„Come Away With Me“

Ralph Geisenhanslüke

HITPARADE

Der 26. Februar 2002 war beinahe ein Tag wie jeder andere. Die Bundesregierung diskutierte das Zuwanderungsgesetz. Die deutsche Börse ächzte mal wieder. Die Berliner Verkehrsbetriebe kündigten das „Power Pricing“ an. Ein spätwinterlicher Sturm an der Nordseeküste. Irgendwie ein deutscher Tag. Aber nicht nur. Denn auf der anderen Seite des Atlantiks erschien an diesem Tag das erste Album einer 23-jährigen Sängerin. Danach gab es, zumindest in einer New Yorker Plattenfirma mit deutschen Wurzeln, die kurz vor dem Bankrott stand, keinen Grund zum Jammern mehr.

Norah Jones fällt zunächst durch ihre Zurückhaltung auf. Ja, sagt sie, nach dem die Journalisten es herausgefunden haben, der indische Sitar-Virtuose Ravi Shankar ist ihr Vater. Aber er spielte kaum eine Rolle in ihrem Leben. Ihre locker fließende Mischung aus Country und Blues wäre vielleicht untergegangen wie manch andere Platte, die einfach nur ernsthafte, gut gemachte Musik enthält. Doch dann unterschrieb Norah Jones ihren ersten Vertrag gleich bei Blue Note. Und außerdem sieht sie nicht aus wie jemand, der untergeht. Einige Zeit später zeigen Fotos sie mit einem Arm voller Grammies. Bilder, wie man sie auch von der ungefähr gleichaltrigen, ebenfalls Klavier spielenden und singenden, ebenfalls in New York lebenden Alicia Keys kennt. Norah Jones’ neues Album erscheint am 9. Februar. Ihr mittlerweile zwei Jahre altes Debüt aber steht noch sehr lässig in den deutschen Longplay- Charts – mittlerweile seit 83 Wochen.

Die Geschichten der beiden Ausnahme-Talente Jones und Keys sind hinlänglich geschrieben. Ähnlich wie die Geschichte des Labels Blue Note, das 1939 von zwei emigrierten Deutschen gegründet und zur Wiege des modernen Jazz wurde. Einige Zeit schien Blue Note jüngeren Menschen nur noch als Sample-Quelle für obskures Jazz-Gebreake bekannt, doch mit Jones, Van Morrison und Al Green blickt die Firma inzwischen über ihren Claim hinaus. Und wenn ein Jazz-Label, wie im Fall von „Come Away With Me“, weltweit 16 Millionen Platten verkauft, hat es etwas fundamental richtig gemacht – auch wenn niemand sagen kann, was eigentlich genau.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben