Kultur : Diese Woche auf Platz 28 Wyclef Jean

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An Wyclef Jean mussten HipHop-Fundamentalisten in den letzten Jahren verzweifeln. Erst legte er mit seinem Trio „The Fugees“ das bislang meistverkaufte HipHop-Album hin - es steht heute allein als legale Kopie in circa 17 Millionen Haushalten -, dann etablierte sich Wyclef als Hitmaschine für Carlos Santana, Whitney Houston, Mick Jagger oder Destiny’s Child. Auf seinem letzten Solo-Abum stand dann Kenny Rogers neben Youssou N’Dour, Earth Wind & Fire neben Mary J Blige. Wer sollte sich in diesem Gemischtwarenladen noch zurechtfinden? Musikliebhaber mit offenen Ohren vielleicht. Aber Fundis sehen das anders.

Wyclef stammt aus Haiti und ist in den Sozialsilos von Brooklyn/New York aufgewachsen. Für ihn bedeutet Karriere: es der Gesellschaft zeigen. Deshalb nimmt er nach all den Erfolgen wohl weniger ein Bad im Geldspeicher als im Selbstwertgefühl. „Ich bin der Erstgeborene, ich musste immer stark sein“, singt er in der Ballade „Daddy“, die seinem kürzlich verstorbenen Vater gewidmet ist. Und mit diesem Wissen muss man ihm auch ein schwaches Album verzeihen.

Für „Masquerade“ hat Wyclef die Star-Power merklich heruntergefahren. Einzig Tom Jones – per Sample in „Pussycat“ eingefügt – steckt als Tiger im Tank.

Doch insgesamt klingt das Album, als hätte der unermüdliche Songschreiber mal kurz den Schreibtisch seines Rechners aufgeräumt und eingespielt, was zu schade zum Wegschmeißen war. Zu schnell, zu lieblos produziert. Vielleicht eher eine Zwischenmahlzeit auf dem Weg zu einem neuen Werk der Fugees – die schließlich auch noch einen Plattenvertrag zu erfüllen haben.

Ralph Geisenhanslüke

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