Kultur : Diese Woche auf Platz 3 DJ Ötzi

„Burger Dance“

Ralph Geisenhanslüke

HITPARADE

Das britisch anmutende Intro mit dem Dudelsack klingt wie eine gezielte Anspielung: Gerhard Friedle hat schon einmal im Vereinigten Königreich zugeschlagen. 600 000 Stück wurden dort von „Hey Baby“ verkauft. „Rave-Rock-Bierhallen-Karaoke" nannte der „New Musical Express“ den Sound von Friedle. Darin schwingt Respekt mit: Denn niemand zuvor hat die hirnlähmenden Effekte von Kirmes-Techno und Volkmusik so perfekt, so letal zusammengeführt wie Friedle, besser bekannt unter seinem Kampfnamen DJ Ötzi. Sogar in „Top Of The Pops“ trat der Tiroler Bub auf, neben Paul McCartney und Jennifer Lopez. Platin in Großbritannien. Davon träumen deutsche Musiker.

Der Ötzi zitiert gern den Lodda Maddäus, der „den Ball immer flach hält“. Bislang dachten wir bei jedem von Ötzis Hits, dass es flacher eigentlich nicht geht. Doch Ötzi ist grenzenlos steigerungsfähig. Beim „Burger Dance“ beschränkt er sich darauf, die Namen von Fast-Food-Ketten zu nennen: „Pizza Hut, Kentucky Fried Chicken – McDonalds“. Die Poesie dieser Worte muss man wirken lassen. Dann wird klar, warum DJ Ötzi erst ab einer gewissen Mindestmenge Alkohol Sinn ergibt. Diese Mindestmenge entspricht einem großen Biersee, an dessen Ufern Magaluf und El Arenal liegen, das deutsche und das britische Trinkerparadies auf Mallorca.

Wie schon beim „Anton aus Tirol“ – den der Ötzi sich beim Patentamt hat schützen lassen – gibt es um den „Burger Dance“ einen hässlichen Streit. Diesmal geht es nicht um ein Stück, dass einem Unbekannten aus der Feder floss, sondern, so berichtet der Kölner „Express“, um eine Karnevalskapelle, die das Stück für Deutschland lizensiert hatte. Von einem belgischen Komponisten, ursprünglich mit niederländischem Text. Doch Ötzi sicherte sich das Stück ebenfalls – und brachte es auf den Markt. Schaut’s Buam, so geht’s Business. Zigge zagge hoi hoi hoi.

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