Kultur : Diese Woche auf Platz 3 Phil Collins

„Testify“

Ralph Geisenhanslüke

HITPARADE

Von einem Comeback zu sprechen, wie seine Plattenfirma es tut, wäre übertrieben. Die Tatsache, dass er eine Weile seltener im Radio zu hören war, sollte man nicht als Pause interpretieren. Phil Collins gilt als manischer Arbeiter. Vor drei Jahren veröffentlichte er ein Live-Album mit seiner Big-Band und den Soundtrack zu „Tarzan“. Letztes Jahr gab es ein Album, auf dem HipHopper seine Songs sangen. Danach beschloss er offenbar, dass neue Leben mit seiner neuen Frau in seiner neuen Heimat zu genießen.

Die Schweiz inspiriert die wenigsten Menschen zu aufrührerischem Rock’n’Roll. „Testify“ heißt auf Deutsch soviel wie „aussagen“, „Zeugnis ablegen“ oder „bekennen“. Davon spricht Collins gleich in mehreren Songs. Der Mann weiß, was die Leute morgens beim Aufstehen oder auf dem Heimweg nach der Arbeit hören möchten. Refrains wie „Ich kann nicht aufhören, dich zu lieben “. Trotzdem gibt es kaum bekennende Collins-Fans. Irgendwer muss die 170 Millionen Platten aber gekauft haben.

Phil Collins ist eine der zuverlässigsten Hitmaschinen der westlichen Welt - und er ist zugleich der Mann we love to hate. In den USA warben Radiosender mit Collins-freien Wochenenden. Als ruchbar wurde, dass er einen WM-Song schreiben sollte, forderte der britische „New Musical Express“: „Verpiss dich, Phil!“ Sein Image taugt nicht als Projektionsfläche für ausschweifende Fantasien. Häufig wird er als Sachbearbeiter-Typ dargestellt, glatt, ehrgeizig, nüchtern. Vielleicht sitzt der Mann jetzt auf seinem Hügel am Genfer See. Vielleicht atmet er einmal tief durch und geht dann raus, eine Partie Golf spielen. Oder zu seinem Nachbarn Michael Schumacher. Der muss für den Umbau seines Anwesens noch ein paar größere Löcher graben.

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