Kultur : Diese Woche auf Platz 31 Mia

„Hungriges Herz“

Ralph Geisenhanslüke

HITPARADE

Mööönsch! Bei Mieze is’ ja voll der Iro ab! Gut so. Der Punk wirkte bei Mieze und ihrer Band Mia ohnehin immer etwa angeschminkt. Nach innen geföhnte Haare und rote Glühbirnen, die ein Herz bilden, sagen nun: Schlager! Es kommt nur darauf an, wie man es macht. Mia haben sich offenbar ein kardiovaskuläres Fitness-Programm verordnet. „Hungriges Herz“ handelt vom Zuendegehen einer Liebe und Mieze scheint dagegen anrennen zu wollen. Jedenfalls hat sie sich für das Video zum Song auf ein Laufband begeben. Dort verausgabt sie sich derart, dass die anderen Bandmitglieder ihr mit Handtüchern kühle Luft zuwedeln wie einem Boxer zwischen den Runden. Natürlich findet man in einem Fitness-Studio selten was fürs Herz. Weiß Mia auch. Das Laufband ist symbolträchtig mit Streifen bemalt – die Straße des Lebens.

Auf dieser Straße sind nicht nur Mia einen Schritt vorangekommen. Auch die Veranstaltung, bei dem dieses Lied demnächst präsentiert wird, hat sich rasant zu ihrem Vorteil entwickelt: Am 19. März findet in Berlin der nationale Vorentscheid zum Grand Prix statt. Und der ist in diesem Jahr so radikal anders, dass man von einer 180-Grad-Wende sprechen muss. Im Teilnahmefeld finden sich WestBam, Scooter, Mia und Sabrina Setlur. „Der Künstler“, sagt WestBam süffisant, „will ja zur Menschheit sprechen.“ Bisher bot der Grand Prix dafür keine Gelegenheit. Er war in Deutschland eine geschmacksfreie Zone. Nun stehen Künstler zur Wahl, die vielleicht nicht durchweg geschmackssicher, aber wenigstens auf der Höhe ihrer Zeit sind. Das hat mit dem Ende der Ära Siegel zu tun. Trotz gewisser Ironie-Kräfte im deutschen Schlager (Guildo Horn oder Stefan Raab), gelang es dem Schlagermogul Ralph Siegel immer wieder, seine doch recht genügsamen Produktionen unterzubringen. In diesem Jahr wurde ihm so endgültig die Tür vor der Nase zugeschlagen, dass er aus Trotz für Malta an den Start gehen wollte. Selbst dort fiel er durch. Mias Herz ist hungrig. Wir sind es auch.

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