Kultur : Diese Woche auf Platz 36 Jeanette

„Break On Trough“

Ralph Geisenhanslüke

HITPARADE

Jeanette scheint es vor Hitze kaum auszuhalten. Bei ihr brennt ständig die Hütte. Zu dieser Ansicht könnte jedenfalls gelangen, wer ihre Videos sieht. Da räkelt sich Jeanette entweder auf der Motorhaube eines Autos oder in Unterwäsche vor einer Feuersbrunst. Jeanette hat gerade ihren Nachnamen abgelegt. Die 22-jährige Berlinerin heißt eigentlich Biedermann und wenn man den entschlossenen Zug um ihre Mundwinkel sieht, kann man verstehen, warum sie so nicht mehr heißen wollte. Jedenfalls nicht für die ganz große Karriere.

Als Wiege ihrer Laufbahn wird der Berliner Kinderzirkus Liliput angegeben. Es folgten diverse Mini-Playback-Shows und irgendwann auch die Seifenserie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“. Dort hieß sie Marie Balzer. Auch ein treffender Name. Denn Jeanette lässt wenig aus, beziehungsweise an, um dem männlichen Publikum zu gefallen. Man muss das nur lang genug machen. Dann diskutieren sogar erwachsene Männer darüber, ob sie in der Duschszene von „Rockin’ On Heaven’s Floor“ wirklich nackt war. Dabei war noch nicht mal eine Brustwarze zu sehen. Den Mechanismus der hormongesteuerten Wahrnehmung bei Männern zu verstehen, ist auch eine Form von Kunst. Eine sehr zeitgemäße. Nämlich die Kunst, mit wenig Aufwand viel Wirkung zu erreichen. Schnäppchen-Kunst. Und schon allein deshalb familienkompatibel. Im Vergleich zu Jeanette wirkt Britney Spears mittlerweile wie ein ausgewachsener Vamp. Jeanettes Album „Break On Through“ hat folglich nichts mit dem gleichnamigen Titel der Doors zu tun. Jeanette will nicht in andere Dimensionen vorstoßen. Sie möchte einfach nur ganz doll Erfolg haben. Die Tonspur dazu erfüllt die Kriterien für das, was früher einmal Bubblegum-Rock genant wurde. Aber das ist eben nur die Tonspur. Zurzeit lässt sich nicht sagen, als was Jeanette erfolgreicher ist: als Teletubbie für pubertierende Mädchen, als Herrenmagazinfantasie, als Klingelton oder als Handy-Logo.

„Maxim“, so viel steht fest, hat sie zur „Woman Of The World“ ernannt. Was kann man danach noch erreichen? Einiges. Gerade wurde Jeanette von „Bunte.T-online“ zur „Glamourfrau 2003“ gekürt. Bei dieser Wahl setzte sie sich gegen Granaten wie Maria Furtwängler oder Alexandra Kamp durch. Bei aller Freude bleibt da ein matter Nachgeschmack. Glamour ist in Deutschland auch nicht mehr, was er mal war. Trotzdem, meine Herren, falls noch jemand eine Hand frei hat: Im März kandidiert Jeanette auch bei der Wahl zur „Sexiest Woman In The World“ von „FHM“. 2004 wird ein Sssssuperwahljahr.

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